Die Region zwischen Güstrow und Teterow, oft als vermeintliches Niemandsland bezeichnet, entpuppt sich als kultureller Hotspot. In den beschaulichen Orten Zierstorf, Pölitz, Roggow und Warnkenhagen ist mehr los, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Im sogenannten Thünenschen Dreieck wird das Erbe der fortschrittlichen Agrarreformer und Gutsbesitzer Johann Heinrich von Thünen und der Pogge-Brüder lebendig gehalten. Engagierte Enthusiasten führen deren Geist fort: Gesellschaftliches und kulturelles Leben aufs Land zu bringen und Menschen zusammenzuführen.
Pogge-Symposium: Tradition bewahren, Zukunft gestalten
Vom 4. bis 6. Juni findet das 17. Pogge-Symposium statt, ausgehend vom Gutshaus Roggow, das Oliver Haubrich, ein Nachfahre der Pogge-Familie, saniert und mit Leben gefüllt hat. Unter dem Motto „Gemeinsam Wege gehen – Tradition bewahren, Zukunft gestalten“ widmet sich die Veranstaltung der lebendigen Bewahrung des Erbes im agrarhistorischen Dreieck Mecklenburgs. Die Poggeschule Lalendorf ist ebenfalls eingebunden. Auf dem Programm stehen Wanderungen, Vorträge und eine Landpartie zu Baudenkmälern wie Appelhagen, einst Sitz der Familie von Zepelin. Ein besonderer Höhepunkt ist der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Pogge aus Yale über die Verbindung zwischen Immanuel Kant und Johann Pogge. Zudem wird feierlich der „Dankstein“ für den verstorbenen Rolf-Peter Bartz enthüllt, den Gründer des Thünenmuseums Tellow und der Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung und Nutzung von Gutsanlagen. Bartz hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass Oliver Haubrich das Gutshaus Roggow retten konnte, das heute als Mehrgenerationen-Wohnen dient.
Thünenmusikfestival: Hochkarätige Klänge in ländlicher Idylle
Vom 6. Juni bis 11. Juli verwandelt das Thünenmusikfestival Kirchen, Gutshäuser und Speicher der Region in Konzertsäle. Organisiert wird es vom Gottiner Bürgerhaus-Verein, dem Wenke Stelter aus Laage seit fünf Jahren vorsteht. Die musikaffine Agrarwissenschaftlerin ist auch die organisatorische Leiterin des Festivals. Sie betont, dass sie diese Aufgabe vor allem wegen der Sommermusiken übernommen habe. Als langjährige Sängerin der Güstrower Kantorei liegt ihr die Einbindung der Kirchen am Herzen.
Besondere Konzerterlebnisse
Im vergangenen Jahr sorgte ein Konzert in Pölitz für Aufsehen: Die Panflötistin Hannah Schluhbeck, die erste Absolventin eines Panflötenstudiums in Deutschland, begeisterte das Publikum im sanierten Kornspeicher. Trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung – sie hat keine Unterarme und Hände – spielte sie meisterhaft die Panflöte. In diesem Jahr eröffnet erstmals in der 19-jährigen Festivalgeschichte ein Waldhornkonzert mit Professor Jörg Brückner aus Weimar. Er spielt unter anderem Mozarts lyrisches zweites Hornkonzert. Das Horn gilt als besonders schwierig zu spielen; selbst nach 250 Jahren Instrumentenbau bleibt ein Restrisiko beim Treffen der Töne. Insider nennen es scherzhaft „Glücksspirale“, wie Renate Hippauf vom Verein erklärt.
Ein weiteres Highlight: Das Konzert mit dem Ausnahmegeiger Gernot Süßmuth, Konzertmeister der Staatskapelle Weimar, der Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ interpretiert – ergänzt um Vivaldis eigene Sonette, die beweisen, dass der Komponist auch ein Dichter war. Der Klang-Poet Daniel Heide bringt seinen eigenen Flügel mit in die Kirche Warnkenhagen, um Werke von Bach, Debussy, Schumann und Grieg sensibel zu interpretieren.
Das gesamte Programm ist unter www.buergerhaus-gottin.de zu finden. Tickets gibt es unter 039976/55885. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.



