Hafenrundfahrten in Rostock: Steigende Spritpreise bedrohen Traditionsbetriebe
Spritpreise bedrohen Rostocker Hafenrundfahrten

Hafenrundfahrten in Rostock: Steigende Spritpreise bedrohen Traditionsbetriebe

Die idyllischen Hafenrundfahrten in Rostock-Warnemünde stehen vor einer ernsten Krise. Die rasant steigenden Treibstoffpreise setzen die Betreiber von Fahrgastschiffen unter massiven wirtschaftlichen Druck. Während Kreuzfahrtriesen mit langfristigen Kalkulationen arbeiten, kämpfen kleinere Traditionsunternehmen um ihr Überleben.

Betreiber an der Belastungsgrenze

Cornelia Kirchner von der Warnow-Personenschifffahrt schlägt Alarm: „Der Preis pro Liter betrug Anfang Dezember 2025 noch 0,62 Euro. Ende März 2026 betrug der Preis pro Liter bereits 1,14 Euro.“ Bei einer Abnahme von etwa 1500 Liter pro Schiff, die rund alle 20 Tage betankt werden müssen, entstehen enorme Mehrkosten. In der Hochsaison muss sogar noch häufiger getankt werden. Die Zusatzkosten können nicht einfach auf die Fahrpreise aufgeschlagen werden, sodass die Unternehmen auf den Kosten sitzen bleiben.

Ticketpreise an psychologischer Schmerzgrenze

Katrin Möller und ihr Ehemann Rainer leiten seit 37 Jahren die Fahrgastschifffahrt Käpp'n Brass GmbH. Silvia Grahl, die mit der Schiffsglocke die Gäste begrüßt, erklärt: „Mit 20 Euro für Erwachsene und 10 Euro für Kinder sind wir bei den Ticketpreisen bereits an der psychologischen Schmerzgrenze angekommen.“ Das Unternehmen betreibt zwei Schiffe – die „MS Selene“ und „MS Käpp'n Brass“ – und bietet neben einstündigen Rundfahrten auch Sonderfahrten für Hochzeiten, Geburtstage und sogar Rockkonzerte an.

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Keine einfachen Lösungen in Sicht

Die etablierten Rituale der Treibstoffversorgung bieten wenig Spielraum für Einsparungen. Seit Jahrzehnten arbeiten die Möllers mit dem gleichen Lieferanten zusammen. Treibstoffalternativen aus Polen oder Tankschiffe aus Hamburg sind entweder zu umständlich oder kommen nur für große Kreuzfahrtschiffe infrage. Selbst eine langsamere Fahrweise ist keine Option, wie der Kapitän der „MS Selene“ betont: „Ich fahre im Hafen maximal 6,5 Knoten. Spritsparen geht nicht.“

Kreuzfahrtbranche mit anderen Herausforderungen

Auch die Kreuzfahrtindustrie spürt die steigenden Kraftstoffpreise, doch große Anbieter wie AIDA können mit langfristigen Preiskalkulationen reagieren. Ein Unternehmenssprecher erklärt: „AIDA verkauft heute Reisen bis 2028 zu festen Preisen, die auch nachträglich nicht erhöht werden.“ Für kleinere Betriebe ist dieser Ansatz jedoch unrealistisch. Sie sind den Preisschwankungen schutzlos ausgeliefert und müssen zusätzlich strenge Sicherheits- und Umweltauflagen bei der Betankung einhalten.

Optimismus trotz unsicherer Zukunft

Silvia Grahl bleibt dennoch optimistisch: „Unser Ziel bleibt es weiterhin, unseren Gästen unvergessliche Erlebnisse zu bieten – trotz aller Herausforderungen.“ Doch die Frage drängt sich auf: Wie lange können Traditionsbetriebe den finanziellen Druck noch abfedern, bevor die beliebten Hafenrundfahrten zum Luxusgut werden? Die Zukunft dieser maritimen Tradition in Rostock hängt maßgeblich von der Entwicklung der Energiekosten ab.

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