Bayerische Heimat mitten in Melbourne: Ein deutscher Wirt erzählt
Ein Stück bayerische Lebensart, tausende Kilometer von München entfernt. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kürzlich das geplante Hofbräuhaus in Texas besuchte, hat eine AZ-Reporterin den australischen Ableger in Melbourne erkundet. Dort traf sie auf den deutschen Brand Manager Philipp Hockenberger, der für authentische bayerische Atmosphäre sorgt.
Vom Heidelberg nach Melbourne: Ein Lebensweg
Philipp Hockenberger, ursprünglich aus der Nähe von Heidelberg stammend, hat sein halbes Leben in Bayern verbracht. Stationen in Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim und sieben Jahren Regensburg prägten ihn, bevor er 2017 nach Melbourne auswanderte. "Ich achte hier im Hofbräuhaus darauf, dass alles 'deutsch' und vor allem 'bayerisch' bleibt", erklärt der Brand Manager. Das Gasthaus existiert bereits seit 1968 und wurde damals von einem Deutschen oder Schweizer gegründet.
Tradition trifft auf internationale Belegschaft
Beim Betreten des Hofbräuhauses fühlt man sich sofort nach Bayern versetzt: nostalgische Wirtshausmöbel, Münchner Fotografien und zünftige Live-Musik schaffen Atmosphäre. Doch das Personal verrät die internationale Lage. An einem schwülen Abend mit 43 Grad Außentemperatur schenkte der Brite Kirk Helles aus. "Einer der besten Jobs, die ich je hatte", schwärmte der Mann aus North Yorkshire, der noch nie in Deutschland war, aber unbedingt das Oktoberfest besuchen möchte.
50 bis 70 Prozent des Personals stammen jedoch aus dem deutschsprachigen Raum, wie Hockenberger betont. Alle servieren in Tracht: "Wir halten hier in Australien die deutsche, aber vor allem die bayerische Flagge hoch." Der Personalstand schwankt saisonal – bei 40 Grad Hitze kommen weniger Gäste für schwere Hausmannskost wie Schnitzel, Schweinsbraten und Schweinshaxe.
Deutsche Community und kulinarische Heimat
Die deutschsprachige Community in Melbourne umfasst etwa 65.000 Menschen. "Man kommt hier ganz gerne im Hofbräuhaus zusammen, um das Essen und Bier aus der Heimat zu genießen – und das Heimweh ein bisschen zu stillen", so Hockenberger. Er selbst reist etwa alle 15 Monate nach Deutschland, vermisst aber hauptsächlich Freunde, Familie und Schnee zur Weihnachtszeit. "Ich habe ja alles hier, was ich brauche: Gutes bayerisches Bier und deutsche Hausmannskost."
Das Hofbräuhaus veranstaltet seit zwei Jahren eine "Deutsche Woche" mit Events rund um deutsche Firmen, Geschichte, Essen und Kultur. Dazu gehören Schlagerpartys und Oktoberfest-Feiern mit kulinarischen Besonderheiten aus ganz Deutschland, wobei der Fokus auf bayerischer Küche liegt.
Bierpreise und Promi-Besuche
Eine Halbe Bier kostet in Melbourne 17 australische Dollar, umgerechnet etwa 10,50 Euro. "Wir haben eine sehr gute Partnerschaft mit 'Hofbräu', die uns hilft, die Bierpreise zu stabilisieren", erklärt Hockenberger. Dennoch beeinflussen steigende Logistikkosten für den Import von deutschem Bier nach dem Reinheitsgebot sowie hohe Alkoholsteuern in Australien den Preis.
Prominente bayerische Gäste waren bisher rar. "Einen Bastian Schweinsteiger würde ich mit Sicherheit erkennen, wenn er hier reinlaufen würde – der war aber leider noch nicht da", gesteht Hockenberger. Markus Söder hat das Melbourneer Hofbräuhaus ebenfalls noch nicht besucht, anders als den texanischen Ableger. Immerhin: Die bayerische Band LaBrassBanda speiste vor einigen Jahren dort, als sie auf Australien-Tour war.
Das Hofbräuhaus Melbourne bleibt damit eine feste Institution für Deutsch-Australier und alle, die bayerische Gastfreundschaft in Down Under schätzen.



