Güstrow sucht neue Besucher: Citymanager verlässt Stadt nach kurzer Amtszeit
Güstrow: Citymanager geht - Stadt braucht mehr Touristen

Güstrows Citymanager verlässt die Barlachstadt nach kurzer Amtszeit

Nach nicht einmal zwei Jahren hat Hannes Simon Glause seine Position als Citymanager in Güstrow aufgegeben. Der Touristiker und Kulturmanager, der zuvor das Hotel Amsee in Waren leitete, möchte sich wieder eigenen Projekten widmen. Dennoch liegt ihm die weitere Entwicklung der mecklenburgischen Stadt sehr am Herzen, wie er in einem Abschiedsgespräch betonte.

Ein blumiger Start mit nachhaltigen Visionen

Sein Amtsantritt war durchaus auffällig: Hundert große rote Blumentöpfe verteilte Glause an Geschäfte in der Güstrower Innenstadt – eine symbolträchtige Aktion, die Einzelhändler zum selbstständigen Bepflanzen animieren sollte. Diese Aufmerksamkeit erregende Maßnahme markierte den Beginn seiner Tätigkeit, die nun nach nur eineinhalb Jahren endet.

Glause sieht in Güstrow ein besonderes touristisches Potenzial. Mit ihrer Renaissance-Altstadt und der historischen Bedeutung als ehemalige Residenz verfüge die Stadt über alle Voraussetzungen, um sich ähnlich erfolgreich wie Schwerin oder Wismar zu vermarkten. Der Experte kritisiert dabei die Diskussionen um die Zugehörigkeit zu verschiedenen Tourismusregionen als wenig zielführend.

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Touristische Zahlen zeigen deutlichen Nachholbedarf

Die aktuellen Statistiken des Landes belegen, dass Güstrow im Tourismusbereich noch erhebliches Entwicklungspotenzial besitzt. Während die nahegelegene Stadt Waren zuletzt etwa 800.000 Übernachtungsgäste verzeichnete, waren es in Güstrow lediglich 120.000. Seit der Corona-Pandemie hat die Barlachstadt sowohl etwa 20 Prozent ihrer Übernachtungskapazitäten als auch entsprechende Gästezahlen eingebüßt.

„Dabei ist Güstrow Residenz- und Barlachstadt mit Schloss und Theater. Genau auf diesem, dem kulturellen Sektor, kann die Stadt punkten“, erklärt Hannes Simon Glause. Das Schloss Güstrow stellt bereits heute einen bedeutenden Besuchermagneten dar, doch das kulturelle Angebot insgesamt könnte noch stärker genutzt werden.

Geografische Lage und Vermarktung als Herausforderung

Obwohl Güstrow sowohl zur Mecklenburgischen Seenplatte als auch zur Ostseeküste nur kurze Anfahrtszeiten aufweist, verzeichnet die Stadt nicht die erhofften Touristenzahlen. Viele Besucher der Müritz-Region reisen stattdessen von Waren weiter nach Röbel, Malchow oder sogar zum Bärenwald Stuer, ohne Güstrow in ihre Route einzubeziehen.

Glause plädiert für eine klarere Positionierung: Wenn überhaupt einer Region zugeordnet, dann solle Güstrow eher mit der Mecklenburgischen Schweiz assoziiert werden, deren Markenname überregional bekannt sei. Seine Masterarbeit an der Dresden International University behandelte genau diese historische Kulturlandschaft, sodass er fundiertes Wissen zu diesem Thema mitbringt.

Positive Entwicklungen und zukünftige Perspektiven

Trotz aktueller Herausforderungen wie Geschäftsaufgaben in der Innenstadt blickt der scheidende Citymanager optimistisch in die Zukunft. „Gut, dass die Marktsanierung bald abgeschlossen ist“, betont Glause. Die Stadt biete bereits jetzt viele attraktive Angebote, liebevoll hergerichtete Läden und ein reichhaltiges kulturelles Programm mit besonderen Einrichtungen wie dem Krippenmuseum.

Besonders engagiert hat sich Glause für die Entwicklung der Güstrower Galeriemeile, die er als vielversprechend einschätzt, da sich in ihrem Umfeld bereits zahlreiche ansprechende kleine Geschäfte angesiedelt haben. Der ehemalige Bürgermeister Arne Schult habe die Stadt ästhetisch aufgewertet, nun benötige man Besucher, die diese Angebote auch nutzen.

Die Aufgabe, mit einer guten Marketingstrategie mehr Touristen nach Güstrow zu bringen, sieht Glause beim amtierenden Bürgermeister Sascha Zimmermann in guten Händen. Er halte ihn für einen talentierten Verkäufer, der die Stärken der Stadt erfolgreich vermarkten könne. Die Renaissance-Altstadt, das kulturelle Erbe und die besondere Atmosphäre der Barlachstadt bieten dafür eine ausgezeichnete Grundlage.

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