Frühlingserwachen auf dem Campingplatz Pappelbucht an der Müritz
Frühlingserwachen auf Campingplatz Pappelbucht an Müritz

Frühlingserwachen mit vertrauten Gesichtern an der Müritz

Die Sonne strahlt über der Röbeler Pappelbucht, und langsam kehrt Leben auf den drei Hektar großen Campingplatz zurück. Für Enrico Pape und seine Frau Katrin bedeutet dies den 26. Saisonstart an diesem besonderen Ort. Während Enrico aus dem Vorzelt seines Campers tritt, wo er gerade eine Videokonferenz beendet hat, windet Katrin bereits den ersten rosa Faden für einen neuen Pullover auf ihre Stricknadel. „Homeoffice macht es möglich, dass ich dabei auf die Müritz blicken kann“, erklärt der Berliner, der bei der Deutschen Bahn arbeitet.

Zwei Jahrzehnte Vertrautheit am Wasser

Nur wenige Parzellen weiter haben sich Gisela und Bernd Wolff aus Güstrow bereits eingerichtet. Seit zwei Jahrzehnten zieht es die ehemaligen Postboten jedes Jahr an diesen Ort. „Der Ahorn war auch mal kleiner“, sinniert Bernd und blickt auf den stattlichen Baum vor ihrer Leinwandvilla. Die Oster-Deko hängt bereits in den Sträuchern, und Hündin Gina genießt die Nachmittagssonne auf dem Arm ihrer Besitzer. Hier kennt man inzwischen selbst den Postboten persönlich, und über den Zaun wird regelmäßig geplaudert – eine Vertrautheit, die beide besonders schätzen.

Kritik an versteckten Preiserhöhungen und fehlender Infrastruktur

Trotz der idyllischen Atmosphäre bleibt Kritik nicht aus. Mehrere Dauercamper monieren eine „versteckte Preiserhöhung“. Zwar seien die Jahresverträge unverändert, doch der Platz bleibe von November bis März geschlossen – vier Monate, in denen man nicht ohne Weiteres zu seiner Parzelle gelangen könne. „Das bedeutet, wir können nicht mal in den Winterferien mit Kindern oder Enkeln hierherkommen“, erklärt ein Camper.

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Zudem wünschen sich viele Gäste mehr Infrastruktur. Ein kleiner Kiosk, wie auf dem benachbarten Platz in Nitschow, wo man eine Zahnbürste oder die Tageszeitung kaufen könne, fehle. Auch die Wege, die im Sommer in einen „wüstenähnlichen Zustand“ verfallen, könnten dringend eine Überarbeitung gebrauchen. Positiv wird dagegen der Fischer hervorgehoben, der regelmäßig mit frischen Brötchen vorbeikommt, sowie die kleine Bar unter den Bäumen, die im vergangenen Sommer gut besucht war.

Sechs Katzen als Dauercamper und der Alltag im Freien

Ganz unbeeindruckt von solchen Sorgen zeigen sich die sechs Katzen von Katrin und Enrico Pape. Schnute, Merle, Einauge, Suse, Ete und Viktor sind echte Dauercamper und leben das ganze Jahr über auf dem Gelände, während ihre Besitzer nur von April bis Oktober anwesend sind. Die Tiere werden stets versorgt, auch wenn das Paar regelmäßig nach Berlin zurückkehrt.

Für Bernd Wolff steht nun die Gartenarbeit an. Sein Gewächshaus ist noch leer, aber bald werden Radieschen, Gurken und Tomaten darin sprießen. „Möglichst viel selbst ziehen und nicht alles kaufen müssen – das gehört zum Alltagsglück im Wohnwagen“, erklärt er. Gisela Wolff ergänzt lachend: „Es muss gekocht, geputzt und aufgeräumt werden wie zu Hause. Nur ist alles im Freien immer wieder neu.“

Friedliche Stunden in unruhigen Zeiten

Früher kamen auch die Kinder der Wolffs mit, um für den Schulalltag aufzutanken. Heute sind sie erwachsen und besuchen mit ihren eigenen Kindern gelegentlich. Die Camper schätzen besonders die Ruhe, die an diesem Ort herrscht. „Abends ist es oft so still hier, so friedlich“, sagt Gisela Wolff. In einer Zeit von Kriegen und Krisen werde einem hier bewusst, wie wichtig die kleinen Freuden sind.

Eine gute Stunde später sind weitere Freunde dieser stillen Stunden eingekehrt und richten sich ein. Wenn im Herbst die Wege wieder in die Stadt-Heimat führen, werden alle viele heitere Müritz-Momente mitnehmen – und Katrin Pape gewiss ihren neuen, rosa gestrickten Pullover.

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