Knigge-Experten warnen: Starke Essensgerüche im Zug sind tabu
Essen im Zug: Knigge-Experten warnen vor Gerüchen

Essen im Zug: Was ist erlaubt und was nicht?

Der Zug rollt durch die Landschaft – und plötzlich durchzieht ein intensiver Duft den gesamten Waggon. Ob Döner, Thunfischsandwich oder hart gekochtes Ei: Viele Bahnreisende nutzen die Fahrtzeit, um zu snacken oder sogar ganze Mahlzeiten einzunehmen. Für zahlreiche Passagiere gehört das Essen im Zug einfach zum Reisealltag dazu. Doch was ist angemessen und was überschreitet die Grenzen der Höflichkeit?

Fernverkehr erlaubt Essen, Nahverkehr teilweise nicht

Im deutschen Fernverkehr ist das Essen grundsätzlich gestattet, anders als in manchen Nahverkehrszügen oder in mehreren asiatischen Ländern, wo es sogar explizit verboten ist. Oft dient das Snacken nicht nur der Stillung des Hungers, sondern auch der Unterhaltung während längerer Fahrten. Allerdings kann das, was dem einen schmeckt, für den Sitznachbarn schnell zur Belästigung werden.

Besonders problematisch sind stark riechende Speisen wie Thunfischsandwiches oder frischer Döner mit Zwiebeln. In den geschlossenen Abteilen moderner Züge, insbesondere im ICE, wo Fenster aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet werden können, halten sich solche Gerüche besonders lange und intensiv. Die Deutsche Bahn bietet hier kaum Möglichkeiten zum Lüften.

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Subjektive Wahrnehmung von Gerüchen

Was als angenehmer Duft empfunden wird und was als störend, ist äußerst subjektiv. Während einige Reisende den Geruch von Zwiebeln lieben, wird anderen davon regelrecht übel. Ähnlich wie in Restaurants, wo der Duft von Trüffelpasta am Nebentisch für manche ein Genuss, für andere eine Zumutung sein kann, ist die Situation im Zug – nur auf engem Raum – noch sensibler.

Offizielle Verbote bestimmter Speisen existieren im deutschen Fernverkehr nicht. Daher liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen Passagier, mit Bedacht zu handeln.

Knigge-Experten geben klare Empfehlungen

Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft, rät im Gespräch mit TRAVELBOOK, Essen im Zug möglichst nur auf langen Strecken zu sich zu nehmen. Dabei sollte die Wahl der Speisen so erfolgen, dass der Geruch andere Reisende nicht belästigt. Kaiser betont, dass bereits der Duft von Mandarinen für manche Mitfahrer zur Qual werden kann.

„Riechende Speisereste und Abfälle sollten daher in einem mitgebrachten Beutel luftdicht verpackt und entsorgt werden“, so Kaiser. Wer Speisen aus der Bordküche bestellt, sollte stark riechende Gerichte wie Currywurst oder Chili con Carne lieber direkt im Speisewagen verzehren, anstatt sie sich an den Platz bringen zu lassen.

Rücksichtnahme als oberstes Gebot

Auch Christian Heller, lizenzierter Knigge-Trainer und Diplombetriebswirt, unterstreicht die Bedeutung von Rücksichtnahme. Neben Gerüchen spielen auch Platz und Sauberkeit eine entscheidende Rolle. „Auf alles, was schnell ‚Raum einnimmt‘, also beispielsweise ein großes Fast-Food-Menü mit viel Verpackung, sollte man aus Höflichkeit verzichten“, erklärt Heller.

Als klare „No-Go“-Speisen nennt er stark riechende Gerichte wie Döner, andere Knoblauchgerichte und Fisch. Heller beruft sich dabei auf die klassische Etikette nach Adolph Freiherr von Knigge. Essen im Zug sei durchaus in Ordnung – solange man die Bedürfnisse der Mitreisenden respektiert und störende Faktoren minimiert.

Die Experten sind sich einig: Bei aller Freiheit, die der Fernverkehr bietet, sollte das eigene Essverhalten stets von Rücksicht und Höflichkeit geprägt sein. Nur so bleibt die Zugfahrt für alle Passagiere ein angenehmes Erlebnis.

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