Traumhafte Fjorde, aber unbequeme Nächte: Die Wahrheit über den Campervan-Urlaub
Die Vorstellung klingt verlockend: Freiheit pur, spontan stehen bleiben, wo es am schönsten ist, und jeden Morgen mit atemberaubender Aussicht aufwachen. Genau das hatte sich Reisejournalistin Katharina Regenthal von ihrem ersten Campervan-Urlaub in Norwegen erhofft. Nach zwei Wochen auf den norwegischen Straßen kam jedoch die Ernüchterung. Die Landschaft war zweifellos ein Traum – das Reisen im Van jedoch nicht.
Der Start ins Abenteuer: Von Berlin in den Norden
Im vergangenen Sommer erfüllte sich die Berlinerin einen lang gehegten Wunsch: Zwei Wochen Norwegen mit dem Campervan erkunden. Die Reise begann in der Hauptstadt, führte über Fehmarn und Dänemark gen Norden. Schon die Überfahrt vermittelte ein echtes Abenteuergefühl. Die erste Nacht im Van war fast magisch – alles neu, alles aufregend. Eingekuschelt auf der schmalen Matratze dachte sie: So muss Freiheit sich anfühlen. Doch diese Illusion hielt nicht lange an.
Die Realität des Van-Lebens: Enge und Unbequemlichkeit
Mit jeder weiteren Nacht wurde deutlicher, wie unbequem das Leben auf engstem Raum tatsächlich ist. Die Matratze erwies sich als zu dünn, aufrecht sitzen war kaum möglich, und jeder Handgriff musste perfekt sitzen, weil der Platz so knapp bemessen war. Mit Anfang dreißig spürte ich meinen Rücken deutlich mehr als erwartet, gesteht die Journalistin. Während andere Reisende diese Umstände vielleicht locker wegstecken, war es für sie eine echte Herausforderung.
Dabei waren die Aufwachmomente selbst spektakulär: Mal direkt am Wasser, mal mit Blick auf schneebedeckte Berge, pure Natur pur. Genau dafür hatte sie die Reise angetreten. Doch ein Problem überschattete diese Idylle zunehmend.
Das größte Problem: Die improvisierte Toilettenfrage
Nur zweimal in zwei Wochen nutzten sie einen offiziellen Campingplatz. Die restlichen Nächte verbrachten sie frei stehend – am Fjord, auf über 1000 Metern Höhe oder einfach auf einem Schotterparkplatz. Romantisch? Absolut. Praktisch? Kaum.
Ihre Campingtoilette bestand im Wesentlichen aus einem Eimer mit Klobrille und Deckel. Das Prozedere: Tüte rein, Geschäft erledigen, Tüte entsorgen. Jeden Morgen dieselbe quälende Frage: Wo oder wie komme ich jetzt zur Toilette? Dieser Gedanke begleitete sie ständig und verursachte mehr Stress als erwartet.
Im Urlaub wollte sie nicht planen müssen, wo sie ihren Abfall loswird. Sie wollte auch nicht alles zusammenräumen, nur um eine öffentliche Toilette zu suchen. Immerhin ein positiver Aspekt: Die öffentlichen Toiletten in Norwegen beeindruckten durch Sauberkeit und ausreichend Klopapier – fast schon Luxus im Vergleich zu Berliner Verhältnissen.
Fazit: Roadtrip ja, Campervan nein
Eines steht für Katharina Regenthal fest: Einen Roadtrip durch Norwegen würde sie jederzeit wieder unternehmen. Das Land hat sie zutiefst begeistert. Aber noch einmal zwei Wochen im Campervan? Für sie ausgeschlossen.
Ihre Alternative: Mit dem normalen Auto reisen und auf Campingplätzen die typischen roten Hütten buchen. Viele davon verfügen über ein eigenes kleines Bad, andere zumindest über ein ordentliches Gemeinschaftsbad – was definitiv die bessere Wahl ist gegenüber improvisierten Lösungen im Gebüsch.
Die Erfahrung zeigt: Der Campervan-Urlaub mag für manche die ultimative Freiheit bedeuten, für andere wird er schnell zur Komfortfrage. Die traumhafte norwegische Landschaft entschädigt zwar für vieles, aber nicht für alles.



