Münchner Start-up Finn steigt zum Einhorn auf – 100 Millionen Euro eingesammelt
Finn wird Einhorn: 100 Mio. Euro von Investoren

Das Münchner Auto-Abo-Start-up Finn ist zum Einhorn aufgestiegen. Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, 100 Millionen Euro von deutschen und internationalen Investoren eingesammelt zu haben. Damit wird Finn mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. „Das ist ein superschöner Meilenstein für uns“, sagte Firmenchef Maximilian Wühr dem Handelsblatt.

Kapital für langfristige Marktführerschaft

„Das neue Kapital wird uns helfen, unser Geschäft besser und langfristiger aufzustellen sowie unser Fundament solider zu machen“, erklärte Wühr. Ziel sei die „langfristige Marktführerschaft“. Finn ist nicht das einzige neue Einhorn in Deutschland 2026: Bereits zuvor wurden die Mannheimer Softwarefirma Osapiens, die KI-Überwachungsplattform Dash0 und der bayerische Batteriespeicherspezialist CMBlu mit diesem Status ausgezeichnet. In Europa haben in diesem Jahr bereits Dutzende Start-ups diesen Schritt geschafft.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde von der kanadischen Investmentfirma Portage. Der Bestandsinvestor UVC Partners aus München baut seine Beteiligung aus. Weitere Investoren wie Planet First Partners, Korelya Capital, HV Capital und Picus Capital beteiligten sich ebenfalls. „Wir glauben fest an Finn. Der Einhorn-Status ist noch lange nicht das Ende des Unternehmensaufbaus und der Wertentwicklung“, sagte UVC-Investor Ingo Potthof.

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Kein Börsengang in Sicht

Insidern zufolge gilt Finn als möglicher Börsenanwärter. Wühr dämpfte jedoch Erwartungen: „Ich verbringe meine Zeit damit, ein tolles Unternehmen aufzubauen, und nicht damit, einen Börsengang vorzubereiten.“ Es gebe keinen konkreten Zeitplan. Seit der Gründung 2019 hat Finn knapp 350 Millionen Euro Eigenkapital bei Investoren aufgenommen. Hinzu kommen Asset-Backed Securities (ABS) zur Finanzierung der Autoflotte. Neu ist ein Kredit von rund 40 Millionen Euro von BC Partners Credit und Runway Growth Capital. „Die verbesserte Kapitalisierung dürfte auch dabei helfen, die Konditionen über unsere ABS-Kredite zu verbessern“, so Wühr.

Wachstum und Profitabilität

Finn kommt auf über 50.000 Auto-Abos. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) liegt bei über 300 Millionen Euro. „Wir sind letztes Jahr mehr als 50 Prozent gewachsen und haben uns in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt“, sagte der Mitgründer und Chef. Das Unternehmen ist operativ auf Basis des bereinigten Betriebsgewinns (Ebit) profitabel – und nach Flottenfinanzierungskosten, was Wühr besonders wichtig ist.

Das Geschäft soll durch einen Deal mit dem Pro-Sieben-Sat-1-Investmentarm Sevenventures weiter angekurbelt werden. Im Gegenzug für eine Beteiligung wird Finn-Werbung im Fernsehen und über Streamingportale ausgestrahlt. Zudem baut Finn das Geschäft mit Firmenkunden aus, etwa durch Gehaltsumwandlung, die steuerliche Vorteile bei Elektroautos bietet.

Elektroauto-Anteil und Tesla-Aus

Der Anteil an Elektroautos im Portfolio liegt laut Wühr bei gut einem Drittel: „Das ist besser als der deutsche Durchschnitt.“ Das Portfolio umfasst 25 Marken mit mehr als 140 Modellen. Tesla-Wagen gehören nicht mehr zum Angebot, da sich Finn und Tesla nicht über die Kalkulation des Wertverlusts und die Risikotragung einigen konnten. Wühr betont jedoch: „Unsere Tür steht immer offen.“

Konsumzurückhaltung dämpft Wachstum

Trotz der erfolgreichen Finanzierungsrunde spürt Finn die Konsumflaute in Deutschland. „Wir merken, dass die Leute einen Tick zurückhaltender sind“, sagte Wühr. Das flexible Abo-Modell mildere die Auswirkungen, aber die Zurückhaltung dämpfe das Wachstum ein wenig.

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