Waldbrände in Europa werden immer häufiger, doch entgegen der landläufigen Meinung sind Naturgewalten wie Blitzeinschläge nur selten die Ursache. Viel öfter ist der Mensch verantwortlich: Eine achtlos weggeworfene Zigarette, ein Grillfest, heiße Autokatalysatoren oder Brandstiftung zählen zu den häufigsten Auslösern. Das berichtet die Funke Mediengruppe unter Berufung auf Experten.
Wann entsteht ein Waldbrand?
Waldbrände entstehen vor allem bei Dürre. Im Frühjahr bleiben die Brandflächen eher kleiner, im Sommer können sie sich wegen der trockenen Böden auch unterirdisch schnell ausbreiten und zu einem Flächenbrand entwickeln, erklärt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Die meisten Waldbrände treten am frühen Nachmittag auf, wenn es am wärmsten ist.
Damit ein Wald zu brennen beginnt, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein: ausreichend Sauerstoff, genug brennbares Material und genügend Zündenergie. Diese muss zwischen 280 und 300 Grad Celsius heiß sein, damit trockene Grashalme, Zweige und abgefallene Nadeln Feuer fangen. Ein Streichholz oder eine Zigarette kann diesen Wert erreichen. Die Flammen greifen dann auf Gebüsch, Unterholz und Bäume über.
Welche Wälder sind besonders gefährdet?
Grundsätzlich gilt: Je trockener und brennbarer der Wald, desto schneller kann sich das Feuer horizontal und vertikal ausbreiten. Warme Winde erhöhen das Waldbrandrisiko zusätzlich. Besonders Nadel-, Kiefern- und Fichtenwälder sind von Bränden betroffen, so die Stiftung Unternehmen Wald. Sie stehen meist auf sehr trockenem Untergrund und haben eine dicke Nadelstreu auf dem Boden – ideale Bedingungen, damit aus einem Funken ein Flächenbrand wird. Buchen- und Laubmischwälder brennen laut der Stiftung so gut wie nie, denn sie sind auch im Frühjahr und Sommer größtenteils kühl und feucht.
Vier unterschiedliche Feuertypen
Waldbrand ist nicht gleich Waldbrand. Grob unterscheidet man zwischen vier Typen: Das Bodenfeuer nährt sich von abgefallenen Blättern, Zapfen und Nadeln und tritt in bodennaher Vegetation auf. Es kommt am häufigsten vor, ist aber am einfachsten zu kontrollieren.
Als gefährlichste Art gilt das Kronenfeuer, das sich auf Bäumen und Sträuchern ausbreitet. Die Flammen schlagen über abgestorbenes Holz oder trockene Rinde in die Wipfel. Das Kronenfeuer ist schwer zu beherrschen, da die Flammen mit reichlich Sauerstoff angereichert werden und unvorhersehbar ihre Richtung ändern können.
Beim Erdfeuer handelt es sich um einen unterirdischen Brand, der zum Beispiel in Torfböden ausbricht. Heimtückisch: Diese Schwelbrände können über lange Zeiträume unentdeckt unter der Oberfläche brennen.
Äußerst selten in Mitteleuropa ist der Stammbrand, bei dem hohle oder trockene Einzelbäume, meist durch Blitzschlag ausgelöst, brennen.
Klimawandel als Brandbeschleuniger
Klar ist: Der Klimawandel befördert die Waldbrandgefahr – in Deutschland, in Europa, weltweit. Es wird wärmer, die Dürreperioden werden länger, der Boden trockener. Und nach lang anhaltender Trockenheit fangen Böden besonders leicht Feuer. Die steigenden Temperaturen und die zunehmende Trockenheit schaffen optimale Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden, auch wenn der Mensch der primäre Auslöser bleibt.



