Spediteure in der Krise: Explodierende Spritpreise treiben Tausende in die Insolvenz
Spediteure in der Krise: Spritpreise treiben in Insolvenz

Spediteure in der Krise: Explodierende Spritpreise treiben Tausende in die Insolvenz

Die deutsche Speditionsbranche steht vor einer existenziellen Herausforderung. Die seit dem Iran-Krieg explodierenden Spritpreise treffen die Transportunternehmen mit voller Wucht und führen zu einer dramatischen Insolvenzwelle. Allein im vergangenen Jahr mussten bereits 2.907 Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche aufgeben, mehr als 12.000 Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze.

25.000 Euro Mehrkosten pro Woche

Der Laupheimer Spediteur Markus Barth, dessen Fuhrpark 60 Lastkraftwagen umfasst, berichtet von katastrophalen Zuständen. "Die Mehrkosten betragen im Augenblick circa 25.000 Euro pro Woche", erklärt der Unternehmer im Gespräch. Diese zusätzliche Belastung sei für viele Betriebe nicht mehr zu stemmen.

Barth macht dabei vor allem die hohe Steuerlast verantwortlich: "Bedingt durch die hohe Steuerlast von 58 Prozent gehören wir zu den Ländern mit den höchsten Spritpreisen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Staat bei jeder Kraftstofferhöhung kräftig mitverdient. Auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit und steigender Inflation, die der Endverbraucher kaum mehr stemmen kann."

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Mauterhöhung verschärft die Situation

Die Situation hat sich durch weitere Belastungen zusätzlich verschärft. Seit der Mauterhöhung für Lkw um 83 Prozent im Dezember 2023 haben sich die Kosten für Spediteure nahezu verdoppelt. Waren die Ausgaben bis 2023 noch bei durchschnittlich 1.000 Euro pro Monat, liegen sie seit Dezember 2023 bei 1.800 Euro monatlich.

"Der Kostendruck hat sich enorm erhöht", betont Barth. "Trotz Weiterberechnung der Maut an den Auftraggeber bleiben wir auf den Kosten der Leerkilometer sitzen. Das macht im Fernverkehr ca. 20 Prozent der Wegstrecke aus."

Logistikbranche führt Insolvenzstatistik an

Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar. Die Logistikbranche verzeichnet aktuell die meisten Insolvenzen aller Wirtschaftszweige. Auf je 10.000 Unternehmen kommen 98 Insolvenzfälle. Zum Vergleich: An zweiter Stelle folgt das Baugewerbe mit 79 Fällen.

Die von der Bundesregierung geplante Maßnahme, Preiserhöhungen an Tankstellen nur einmal täglich zuzulassen, bewertet Barth als unzureichend: "Der Effekt ist nicht spürbar. Die Preise bleiben konstant auf hohem Niveau. Andere Länder wie Italien, Ungarn oder Slowenien haben dagegen spontan reagiert. Sie haben Steuern ausgesetzt und den Spritpreis gedeckelt."

Elektromobilität im Fernverkehr noch nicht realisierbar

Die von der EU angestrebte Umstellung auf elektrisch betriebene Lastkraftwagen bis 2035 hält der Spediteur für unrealistisch. "Es gibt nahezu keinen E-Lkw, der sich im internationalen Fernverkehr befindet", erklärt Barth. Die geringe Reichweite von maximal 600 Kilometern im Vergleich zu 3.500 Kilometern bei Diesel-Lkw und die unzureichende Ladeinfrastruktur seien die Hauptgründe.

Auch der alternative Kraftstoff HVO 100, der seit Mai 2024 frei verkäuflich ist, findet kaum Anwendung. "Da der Kraftstoff generell um 10 bis 12 Cent pro Liter teurer ist als Diesel und die meisten Kunden den Mehrpreis nicht zahlen wollen, wird er nur sehr schleppend verkauft", so Barth.

Dringende Forderungen an die Politik

Der Spediteur formuliert klare Erwartungen an die politischen Entscheidungsträger:

  1. Die sofortige Steueraussetzung der CO₂-Steuer von 21 Cent pro Liter
  2. Die Reduzierung der Energiesteuer um mindestens 20 Prozent

Barth warnt vor den langfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung: "Eine der größten Ursachen aus meiner subjektiven Sicht ist eine verfehlte Klimapolitik, die jetzt und langfristig zu einer Abwanderungswelle der Industrie führt. Das geht einher mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Es bewahrheitet sich heute bereits in trauriger Weise."

Die Speditionsbranche, ein Rückgrat der deutschen Wirtschaft, steht am Abgrund. Ohne schnelle und wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen droht ein weiterer massiver Verlust an Transportkapazitäten und Arbeitsplätzen in einem für die Volkswirtschaft essentiellen Sektor.

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