Thüringer Obstbauern bangen erneut vor Spätfrost - Erinnerungen an Frostnacht 2024 wach
Die Erinnerung an eine für Thüringens Obstbauern verhängnisvolle Spätfrostnacht vor zwei Jahren ist noch nicht verblasst. Im April ist immer mit derartigen Wetterkapriolen zu rechnen, doch die Sorge steht den Landwirten aktuell besonders ins Gesicht geschrieben. Sie schauen derzeit öfter auf die Wetterapps als je zuvor.
Kommt Spätfrost oder nicht – und ist die Blüte gefährdet?
Diese Frage beschäftigt die Obstbauern im Freistaat intensiv. Denn vor allem in größeren Plantagen ist ein Schutz der Obstbäume vor Frost kaum möglich, wie Michael Bley, Vorstand der Fahner Obst in Gierstädt, erklärt. Wärmende Schutzfeuer zu entfachen, sei auf großen Flächen viel zu kostenintensiv. „Das ist nur etwas für Kleinflächen, wir bewirtschaften aber rund 900 Hektar“, so Bley.
Frostschutzberegnung auf großen Flächen wiederum setze viel kostbares Wasser voraus, die Wasserressourcen seien jedoch begrenzt. Bei dieser Frostschutzmethode werden die Blüten in Frostnächten kontinuierlich mit Wasser besprüht, bis sich ein schützender Eispanzer um sie gelegt hat – ein aufwendiges Verfahren.
Boden- und Luftfrost in den kommenden Nächten erwartet
In den kommenden Tagen werden nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht erwartet – mit Bodenfrost, teils auch mit Luftfrost. In der Nacht zum Mittwoch könne es insbesondere in Tälern, in denen sich kalte Luft sammele, zu Luftfrost von bis zu minus 3 Grad Celsius kommen, sagte DWD-Meteorologe Sebastian Balders. Bodenfrost sei landesweit ein Thema. Auch in der Nacht zum Donnerstag sei Frost noch ein Thema.
Bley zufolge können Blüten kurze nächtliche Phasen mit bis zu zwei Grad minus verkraften. Auf den Gierstädter Plantagen beginnt derzeit die Apfelblüte, die Kirsch- und Pflaumenblüte sei schon „so gut wie durch“. Die Fahner Höhe im Thüringer Becken gilt als Thüringens größter Obstgarten und ist besonders exponiert.
Weinbau noch entspannt – aber die Spannung steigt
Noch keinen Grund zur Sorge wegen möglicher Spätfröste gibt es im Thüringer Weinbau. „In dieser Woche ist das noch unproblematisch“, schätzte Andreas Clauß, Chef des Thüringer Weingutes Bad Sulza. Noch blühe nichts. Die spannende Frage sei, wie sich das Wetter ab der kommenden Woche entwickle. Die Weinreben sind in dieser Phase noch nicht so empfindlich wie die Obstblüten.
Vor zwei Jahren hatte eine einzige Frostnacht Ende April verheerende Schäden im Thüringer Obst- und Weinbau angerichtet, ein Großteil der Ernte wurde vernichtet. Das vergangene Jahr brachte dann eine regelrechte Obstschwemme – ein Zeichen für die Volatilität in der Landwirtschaft. Die Bauern hoffen nun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt und die Frühlingssonne siegt.



