Landtechnik-Betrieb in Lübz wächst trotz Herausforderungen im Agrarsektor
Seit knapp zwei Jahren bietet die Firma Wüstenberg Landtechnik in Lübz Landwirten und Lohnunternehmern einen regionalen Ansprechpartner für Reparaturen und Service. Der Betrieb mit Sitz am Gewerbering hat jedoch eine deutlich längere Geschichte: Das Familienunternehmen feierte im vergangenen Jahr sein hundertjähriges Bestehen.
Tradition und Expansion eines Familienbetriebs
Holger Wüstenberg führt das Unternehmen mit Stammsitz im schleswig-holsteinischen Börm in dritter Generation. „Ein erheblicher Teil unseres Teams kann sich mit den Kunden auch auf Plattdeutsch verständigen“, betont der Chef stolz. Mit Sohn Momme ist inzwischen die vierte Generation ins Unternehmen eingetreten.
Das Unternehmen ist kontinuierlich gewachsen: Nach der Niederlassung in Lübz kam im Juli vergangenen Jahres noch Klein Bünzow als insgesamt zehnter Standort hinzu. „Den Betrieb dort haben wir von der Firma ABC Bruns übernommen“, erklärt Holger Wüstenberg. Diese Expansion zeigt jedoch auch einen branchenweiten Trend: Die Landtechnik und Landwirtschaft allgemein stehen zunehmend unter Druck.
Branchendruck und veränderte Investitionsstrategien
Landrat Stefan Sternberg bestätigt diese Entwicklung. Er berichtet, dass erst kürzlich ein Investitionsvorhaben für einen modernen Schlachthof im Landkreis auf Eis gelegt wurde. „Derzeit werden massiv Schweine aus Spanien zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen“, erklärt Sternberg.
Die hiesigen Landwirte reagieren unterschiedlich auf diese Herausforderungen. Viele haben sich von der Tiermast abgewandt, während Kornbauern ihr Investitionsverhalten ändern: Entweder mieten sie die notwendigen Erntemaschinen, oder sie beschaffen sich moderne, effektiv arbeitende Großgeräte.
Größere Maschinen und wachsende Servicebedeutung
Inzwischen sind Mähdrescher mit mehr als 15 Metern Schneidwerkbreite am Markt verfügbar. „Noch in diesem Jahr werden wir das toppen und eine Maschine mit 18 Metern Schneidwerk vorstellen“, kündigt Holger Wüstenberg an. Für solche Investitionen geben landwirtschaftliche Betriebe meist mehrere ältere Geräte ab, die entweder in Bundesländern mit kleineren Agrarflächen weiterverwendet oder exportiert werden.
Dabei ist der Exportmarkt im Osten durch den Ukraine-Krieg weitgehend weggebrochen. Umso wichtiger wird für Unternehmen wie Wüstenberg das Servicegeschäft. Dies erfordert einerseits Werkstattgebäude, in die die immer größer und höher gebauten Maschinen passen. Andererseits muss die Firma Fahrzeuge vorhalten, die im Grunde rollende Werkstätten sind.
„Ein Großteil der Reparaturen und Wartungsarbeiten findet direkt beim Kunden auf dem Feld oder Hof statt“, erklärt Momme Wüstenberg. „Der Weg in die Werkstatt kostet – gerade während der Ernte – wertvolle Zeit.“
Der Besuch von Landrat Stefan Sternberg, Bürgermeisterin Astrid Becker und Vertretern der Wirtschaftsförderung in der Lübzer Niederlassung unterstreicht die regionale Bedeutung des Unternehmens. Trotz der branchenweiten Herausforderungen zeigt Wüstenberg Landtechnik mit seiner Expansion und Serviceorientierung, wie traditionelle Familienbetriebe den Wandel im Agrarsektor erfolgreich meistern können.



