Iran-Krieg treibt Düngerpreise weltweit in die Höhe - Bauern unter Druck
Iran-Krieg lässt Düngerpreise weltweit steigen

Iran-Krieg lässt Düngerpreise weltweit explodieren

Der anhaltende Konflikt im Iran entwickelt sich zunehmend zu einer ernsthaften Bedrohung für die globale Landwirtschaft und die Lebensmittelversorgung. Nach Angaben des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) haben sich die Weltmarktpreise für Mineraliendünger seit Jahresbeginn um beeindruckende 30 bis 40 Prozent erhöht. Diese dramatische Entwicklung erinnert Experten an die Situation zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022.

Preise nähern sich historischen Höchstständen

Philipp Spinne, Geschäftsführer des DRV, warnt: „Die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger nähern sich immer mehr dem Höchstniveau an, das wir zu Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine hatten.“ Je länger der Iran-Krieg andauert, desto gravierender werden die Auswirkungen auf die Landwirtschaft weltweit ausfallen. In Europa sind die Konsequenzen für Verbraucher bisher noch nicht unmittelbar spürbar, da viele Landwirte ihren Düngerbedarf für das Frühjahr bereits vor Kriegsbeginn gedeckt hatten.

Energiekosten als Haupttreiber

Der fundamentale Zusammenhang zwischen Krieg und steigenden Düngerpreisen liegt im enormen Energiebedarf der Düngemittelproduktion. Ein Sprecher des Industrieverbands Agrar erklärt: „Die Gaspreise bestimmen zwischen 80 und 90 Prozent der Kosten der Ammoniak- und Stickstoffproduktion.“ Steigende Gaspreise führen somit automatisch zu höheren Düngerkosten. Wenn Bauern aufgrund dieser Entwicklung weniger düngen, sind signifikante Ernteeinbußen die unmittelbare Folge.

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Europäische Produktion unter Druck

Obwohl Europa kaum Düngemittel direkt aus der Konfliktregion bezieht, sind die indirekten Effekte deutlich spürbar. Höhere Gas- und LNG-Preise wirken sich massiv auf die europäische Chemie- und Düngemittelindustrie aus. Laut Industrieverband Agrar können etwa 75 Prozent des Stickstoffdüngerbedarfs in Deutschland aus heimischer Produktion gedeckt werden, bei Kalidünger sogar etwas mehr. Doch die steigenden Energiekosten gefährden diese Produktionskapazitäten.

Russland beschränkt eigene Exporte

In dieser Woche hat Russland zum Schutz der eigenen Landwirtschaft vorübergehend die Düngerexporte beschränkt. Diese Maßnahme verschärft die globale Situation zusätzlich. Der Raiffeisenverband sieht in Zöllen das richtige Instrument, um russische Importe in die EU zu erschweren und zu reduzieren. DRV-Geschäftsführer Spinne betont: „Gleichzeitig muss dies ein Signal sein, die eigene Resilienz zu stärken.“

Landwirte in schwieriger Lage

Für die Mehrheit der deutschen Landwirte sind die unmittelbaren Auswirkungen des Iran-Kriegs derzeit noch überschaubar. Spinne erklärt: „Rund 80 Prozent der benötigten Menge für das gesamte Frühjahr ist bereits in den Lagern der Genossenschaften, und rund 50 Prozent auch schon direkt bei den Landwirten.“ Doch für Betriebe, die sich nicht frühzeitig eingedeckt haben, wird die Situation zunehmend prekär.

Ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands in München warnt: „Für Betriebe, die sich nicht frühzeitig eingedeckt haben, führt dies zu einer spürbaren Kostenbelastung.“ Besonders problematisch ist die Kombination aus steigenden Betriebsmittelkosten und gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen, vor allem für Getreide. Diese Entwicklung verschärft die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe erheblich und belastet ihre Liquidität.

Langfristige Folgen für Ernährungssicherheit

Die potenzielle Gefahr für die globale Lebensmittelproduktion ist nicht zu unterschätzen. Berechnungen des niederländischen Umweltwissenschaftlers Jan Willem Erisman und seiner Kollegen zeigen, dass ein Hektar Ackerland heute doppelt so hohe Erträge produziert wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erstaunliche 48 Prozent der Weltbevölkerung verdanken ihre Ernährung dem weltweiten Einsatz von Mineraliendünger.

Schätzungsweise ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs und etwa zwanzig Prozent des Ammoniaks passieren die strategisch wichtige Straße von Hormus. Während die direkten Auswirkungen auf Europa begrenzt sind, zeigen die indirekten Effekte über die Energiemärkte, wie verwundbar das globale Ernährungssystem gegenüber geopolitischen Konflikten bleibt.

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