Frachtraten auf Vier-Jahres-Hoch: Importeure zahlen drauf
Frachtraten auf Vier-Jahres-Hoch: Importeure zahlen drauf

Die Frachtraten im Container-Seeverkehr klettern auf ein Vier-Jahres-Hoch. Wie die Beratungsfirma Drewry am Freitag mitteilte, übertreffen die Kosten für Seetransporte erstmals wieder den Stand von 2022. Damals hatte die durch Corona-Lockdowns ausgelöste Konsumnachfrage die Transportkosten steil nach oben getrieben.

Der Drewry World Container Index (WCI), eine in der Seefahrt häufig herangezogene Referenzgröße, stieg allein in der vergangenen Woche auf den Handelsrouten über den Pazifik sowie im Asien-Europa-Verkehr um neun Prozent. Ein Index des Finanzdienstleisters S&P Global, der in der Branche als Frühindikator für die Entwicklung der Spotmarkt-Frachtraten gilt, schnellte in den 30 Tagen bis zum 24. Juni um 80 Prozent auf den höchsten Stand seit April 2022.

Mit einem Durchschnittswert von 4.530 Dollar pro 40-Fuß-Doppelcontainer am 2. Juli kosteten die Seetransporte fast genau doppelt so viel wie Ende April. „Ursache hierfür ist das Zusammenspiel von vorgezogenen Warenlieferungen aufgrund drohender Zölle und anhaltenden Störungen im Bereich der Straße von Hormus“, heißt es bei Drewry.

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Vorweihnachtliche Einkäufe treiben Nachfrage

Insbesondere die US-Einzelhändler treiben aktuell durch eine ungewöhnliche Nachfrage die Frachtraten nach oben, was weltweit zu Kapazitätsengpässen auf See führt. Früher als üblich decken sie sich laut Drewry nicht nur für das Geschäft am Black Friday am 27. November ein, sondern sogar schon für die Weihnachtsfeiertage. „Die Hochsaison für die Beladung unserer Schiffe beginnt früher als gewöhnlich“, bestätigte Rodolphe Saadé, Reedereichef von CMA CGM, vor wenigen Tagen dem Handelsblatt.

Entsprechend haben zahlreiche Reedereien begonnen, Hochsaison-Zuschläge zu berechnen. Hyundai Maritime (HMM) erhebt ab 15. Juli einen „Peak Season Surcharge“ in Höhe von 3.000 Dollar auf jeden 40-Fuß-Container, CMA CGM verlangt ab 1. Juli pro Standardcontainer (TEU) von Asien nach Nordeuropa einen Hochsaisonzuschlag von 1.000 Dollar.

Trump-Zölle als Treiber

Schuld an der sprunghaft gestiegenen Nachfrage ist nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump. Dessen im Februar 2026 eingeführten globalen Zölle von zehn Prozent laufen zwar am 24. Juli aus. Die meisten Importeure rechnen jedoch damit, dass danach noch höhere Zollabgaben folgen werden.

Bereits Anfang Juni drohte Washington zahlreichen Handelspartnern mit neuen Zöllen – darunter auch der Europäischen Union (EU). Ihnen wirft Trump jetzt vor, nicht genug gegen den Handel mit Produkten zu unternehmen, die unter Zwangsarbeit entstanden sind. Diese Länder würden bestehende Importverbote nicht genügend überprüfen, erklärte das Büro des US-Handelsbeauftragten.

Betroffen sind neben der EU auch Großbritannien, die Schweiz sowie mehrere Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika. Im Visier hat Trump zudem Kanada und China. Insgesamt 60 Volkswirtschaften haben seitdem mit zusätzlichen Abgaben von bis zu 12,5 Prozent zu rechnen.

Störungen im Nahen Osten halten an

Hinzu kommt: Während das vorläufige US-Iran-Abkommen die Wiedereröffnung der Straße von Hormus ermöglichen soll, sorgen anhaltende Sicherheitsbedenken im Nahen Osten und jüngste Angriffe auf Schiffe weiterhin für Unsicherheit und halten die Versandkosten hoch.

Nach einem Bericht des Informationsdienstes „Splash 247“, der sich auf Zahlen der Marktforschungsfirma Linerlytica beruft, wächst im laufenden Jahr die weltweite Nachfrage (gemessen in Container-Meilen) um 7,3 Prozent, während die Flotte lediglich um 5,4 Prozent zulegt. Dies führe zur größten Lücke zwischen Angebot und Nachfrage seit Ende 2024, heißt es dort.

Staus vor Häfen erreichen Höchststand

Auch Staus vor den Häfen sind wieder an der Tagesordnung: Fast elf Prozent der weltweiten Containerschiffsflotte warten derzeit vor den Bestimmungshäfen – laut „Splash 247“ der höchste Wert seit 2022. Insbesondere vor den chinesischen Ports Shanghai/Ningbo und Qingdao notierte Linerlytica in der vergangenen Woche eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Schiffen, die vor Anker lagen.

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Staus gab es zudem in den US-Häfen Charleston und New York, ebenso wie vor dem saudi-arabischen Dschidda, einem Ausweichhafen für die blockierten Vereinigten Arabischen Emirate. In Europa meldete das Datenunternehmen zahlreiche vor Anker liegende Containerfrachter in Rotterdam, Antwerpen, Hamburg/Bremerhaven sowie in Algeciras an der Straße von Gibraltar.

Reedereien profitieren von steigenden Raten

Die steigenden Frachtraten schüren die Ertragserwartungen der internationalen Reedereien. Die zweitgrößte von ihnen, der dänische Schiffsbetreiber Maersk, erwartet jetzt ein bereinigtes operatives Ergebnis zwischen zwei und vier Milliarden Dollar. Dabei hatte die Großreederei noch vor wenigen Monaten Investoren gewarnt, dass im laufenden Jahr ein bereinigter Betriebsverlust von bis zu 1,5 Milliarden Dollar drohen könnte.

Der deutschen Container-Reeder Hapag-Lloyd hat seine Prognose zwar noch nicht erhöht, die Aktie kletterte seit dem 29. Juni allerdings um mehr als sieben Prozent.