900 Winzer betroffen: Traditionsgenossenschaft Winzer von Baden meldet Insolvenz an
Winzer von Baden: 900 Winzer von Insolvenz betroffen

Die traditionsreiche Winzergenossenschaft „Winzer von Baden“ eG hat Anfang Juli beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind rund 900 Winzer in mehr als 20 Ortschaften der Region zwischen Badischer Bergstraße und Kraichgau in Baden-Württemberg. Die Genossenschaft wurde 1935 gegründet und bewirtschaftet knapp 600 Hektar Rebfläche mit Rebsorten wie Grauburgunder, Weißburgunder, Riesling und Rosé.

Ursachen der Insolvenz: Kostenexplosion und verändertes Konsumverhalten

Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Matthias Göhring bestätigte: „Dieser Schritt wurde notwendig, da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Weinbranche in den vergangenen Monaten nochmals deutlich verschlechtert haben.“ Gestiegene Kosten für Energie, Verpackung und Logistik sowie ein verändertes Konsumverhalten hätten die finanzielle Situation erheblich belastet. Nach Angaben von North Data weist die Genossenschaft für 2025 Verbindlichkeiten in Höhe von 6,84 Millionen Euro aus.

Betrieb läuft vorerst weiter – Insolvenzverwalter soll Restrukturierung leiten

Für Kunden ändert sich zunächst nichts: Verkauf und Belieferung von Restaurants, Hotels und Gaststätten laufen normal weiter. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für die kommenden Monate gesichert. Die Beschäftigten wurden bereits in einer Betriebsversammlung informiert. In den kommenden Wochen soll ein vorläufiger Insolvenzverwalter gemeinsam mit der Geschäftsführung einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Göhring betont, dass die Produktion einschließlich der 2026er-Ernte fortgeführt werden soll, dies aber noch nicht zugesichert werden könne.

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Branchenkrise: Sinkender Weinkonsum und Austritte von Zulieferern

Die gesamte Weinbranche leidet unter steigenden Kosten und sinkender Nachfrage. Der Weinkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig und liegt aktuell bei rund 21,5 Litern pro Kopf. Bereits zuvor hatten sich die wirtschaftlichen Probleme der „Winzer von Baden“ verschärft: Die Traubengeldauszahlungen 2025 wurden vom März in den Sommer verschoben, und im Dezember 2025 erhielten die Mitgliedswinzer nur zwei von vier fälligen Raten. Mehrere Zuliefergenossenschaften kehrten der Genossenschaft in den vergangenen Monaten den Rücken, zuletzt die Winzergenossenschaft Zeutern. Göhring rechnet laut Informationen mit weiteren Austritten.

Zukunft der Marke „Winzer von Baden“ ungewiss

Göhring erklärte: „Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht. Doch angesichts der angespannten Marktlage im Weinbau ist eine tiefgreifende Restrukturierung unumgänglich.“ Mit der Expertise des vorläufigen Insolvenzverwalters und dem motivierten Team wolle man alles daransetzen, das Unternehmen neu auszurichten, um die Marke „Winzer von Baden“ zu erhalten. Die Weinlese in Baden-Württemberg dauert je nach Region, Rebsorte und Witterung von Ende August bis November – ob die Genossenschaft diese Ernte noch vollständig realisieren kann, bleibt abzuwarten.

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