Immer mehr Menschen wünschen sich, alt zu werden, ohne alt zu leben. Der Trend Longevity, der bisher vor allem Ernährung, Bewegung und Gesundheit umfasste, erobert nun auch das Zuhause. Die Idee: Wer länger fit, aktiv und selbstbestimmt bleiben möchte, sollte sein Wohnumfeld entsprechend gestalten. In Deutschland entstehen erste Longevity-Wohnprojekte, die genau das umsetzen.
Longevity-Wohnprojekte in Deutschland: Ein Beispiel aus Dresden
Eines der ersten Longevity-Wohnprojekte in Deutschland wird von der Vivir GmbH in Dresden betrieben. Thomas Henke von Vivir beschreibt das Konzept: „Statt klassischer Senioren- oder Pflegeheime schaffen wir Mietwohnungen mit hoher Wohnqualität, ergänzt um Gemeinschaftsräume, Bewegungs- und Gesundheitsangebote sowie eine gute städtische Infrastruktur.“ Das Projekt zielt darauf ab, Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben in einer Gemeinschaft zu ermöglichen, die Prävention und soziale Kontakte fördert.
Fünf Bereiche des Longevity-Wohnens
Das Longevity-Wohnkonzept gliedert sich in fünf Bereiche, die wissenschaftlich belegt die Lebensqualität verbessern. Diese umfassen natürliche Materialien, Barrierefreiheit, Bewegungsförderung, Küchenergonomie und mentale Rückzugsorte. Viele dieser Maßnahmen lassen sich auch in bestehenden Wohnungen oder Häusern umsetzen.
Natürliche Materialien für bessere Wohnqualität
Eine gesundheitsfördernde Wohnraumgestaltung beginnt bei den Materialien. Holz, Leinen, Naturstein oder Ton helfen, Schadstoffe zu reduzieren und schaffen eine stärkere Verbindung zur Natur. Regelmäßiges Stoßlüften – drei- bis viermal täglich für fünf bis zehn Minuten – verbessert die Luftqualität zusätzlich deutlich.
Barrierefreiheit senkt Unfallrisiko
Einfache Maßnahmen wie rutschfeste Böden, stufenlose Übergänge, Haltegriffe in Bad und Dusche sowie Geländer an Treppen können schwere Stürze verhindern. Stürze gelten als häufigster Grund für den Verlust der Selbstbestimmtheit im Alter. Smart-Home-Lösungen wie Sprachassistenten (Alexa, Google Home, Siri) steuern Licht, Heizung oder Rollläden per Smartphone, und Bewegungsmelder bei der Beleuchtung helfen, Stürze im Dunkeln zu vermeiden.
Bewegung beginnt in den eigenen vier Wänden
Viele Menschen bewegen sich mehr, wenn sie regelmäßig daran erinnert werden. Sichtbar platzierte kleine Trainingsgeräte wie Balance-Boards oder Widerstandsbänder für das Beintraining können motivieren. Auch Hochbeete oder Kräutergärten fördern Bewegung, da sie sich auch bei eingeschränkter Bückfähigkeit pflegen lassen.
Küche und Ernährung als Teil des Konzepts
Eine ergonomisch gestaltete Küche erleichtert die tägliche Zubereitung von Speisen. Arbeitshöhen zwischen 85 und 95 Zentimetern sowie ausziehbare Arbeitsplatten sind empfehlenswert.
Mentale Gesundheit durch Rückzugsorte
Zum Longevity-Wohnen gehören nicht nur Gemeinschaft und Aktivität, sondern auch Ruhe und Erholung. Eine gemütliche Lese- oder Meditationsecke mit Teppich, weichen Kissen und gedämpftem Licht kann zur mentalen Gesundheit beitragen.



