Die IG Metall hat bei Volkswagen zu einem bundesweiten Protesttag gegen die verschärften Sparpläne des Konzerns aufgerufen. Am Donnerstag, dem Tag der Aufsichtsratssitzung, sind an allen Standorten Aktionen geplant. Dabei handelt es sich laut Gewerkschaft um Informations- und Protestveranstaltungen, nicht um Warnstreiks. Bei Volkswagen gelte weiterhin die Friedenspflicht, Arbeitsniederlegungen seien daher zunächst nicht vorgesehen.
Kundgebungen an allen Standorten
In Wolfsburg ist eine Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus geplant, bei der Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprechen soll. Weitere Kundgebungen sind unter anderem in Emden, Zwickau, Hannover und Kassel vor den Werkstoren vorgesehen. Die größte Beteiligung erwarten die Veranstalter in Zwickau und Emden. Am Porsche-Standort Stuttgart soll es einen Autokorso geben, bei Porsche Leipzig eine Fotoaktion. Bei Audi in Ingolstadt ist ein Flashmob geplant, in Neckarsulm eine Aktion vor dem Werkstor. Auch an den MAN-Standorten München, Nürnberg und Salzgitter sowie bei der Software-Tochter Cariad sind Aktionen angekündigt.
Hintergrund: Verschärfte Sparpläne
Die IG Metall reagiert mit den Protesten auf Berichte über deutlich verschärfte Sparpläne des Konzerns. Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland drohe sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Der „Spiegel“ berichtet, dass die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen könnte. VW bestätigte lediglich, dass der Vorstand „intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens“ arbeite, nannte aber keine Details. Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen, da die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichten.
Widerstand von Gewerkschaft und Land
IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete die Proteste als „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!“ Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. „Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin“, so Benner. Sie fordert Ideen und Konzepte zur Auslastung der Werke. Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt, lehnt Werksschließungen ab. Die Arbeitnehmerseite hat derzeit die Mehrheit im Aufsichtsrat, Benner ist stellvertretende Vorsitzende. Medienberichten zufolge hat der Konzern einen Alternativplan: Sollten die Vorschläge im Aufsichtsrat durchfallen, könnte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um die Aktionäre abstimmen zu lassen. Auch dort hat das Land laut VW-Gesetz eine Sperrminorität.
Bereits vereinbarter Stellenabbau
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt, davon 35.000 bei der Kernmarke. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung endet. Ende 2024 hatte die IG Metall nach einem wochenlangen Tarifstreit mit Warnstreiks einen Kompromiss erzielt, der betriebsbedingte Kündigungen ausschloss. Der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.
Proteste auch bei Mercedes
Bereits am vergangenen Freitag hatte es bei Mercedes-Benz bundesweit Proteste gegen den dortigen Sparkurs gegeben, an denen laut IG Metall mehr als 33.000 Beschäftigte teilnahmen. Auch bei VW gab es an diesem Tag erste Aktionen: Im ostfriesischen Emden protestierten mehr als 4.000 Mitarbeiter des VW-Werks gegen die Sparpläne.



