Hotel-Investor insolvent: Fördergelder in Greifswald nicht ausgezahlt - Schwerin mit geringerem Schaden
Die Insolvenz des österreichischen Hotel-Entwicklers Udo Chistee hat in Mecklenburg-Vorpommern unvollendete Bauprojekte hinterlassen, doch die finanzielle Belastung für die öffentliche Hand fällt geringer aus als zunächst befürchtet. Sowohl in Greifswald als auch in Schwerin stehen halbfertige Hotelbauten, deren Zukunft nun ungewiss ist.
Greifswald: 2,7 Millionen Euro Förderung nie ausgezahlt
In der Hansestadt Greifswald sollte am Museumshafen ein neues Hotel mit 100 Zimmern entstehen. Für dieses Projekt hatte die Grundstücksgesellschaft Hansering A9 mbH im Jahr 2021 einen Fördermittelbescheid über knapp 2,7 Millionen Euro erhalten. Das Wirtschaftsministerium bestätigte nun, dass diese Mittel nie ausgezahlt wurden. Das geplante Hotel am Ryck, das Tagungsgäste, Wissenschaftler und Touristen anlocken sollte, wird somit voraussichtlich nie realisiert.
Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte sein Bedauern: „Es ist nicht optimal gelaufen.“ Dennoch sieht er weiterhin Potenzial für ein Hotel dieser Größenordnung in Greifswald, das zwischen Rügen und Usedom eine attraktive Lage bietet. Bausenator Achim Lerm betonte, dass bereits Interessenten für das Grundstück existieren und Gespräche über die Übernahme des Projekts sowie den Umgang mit den vorhandenen Schulden geführt werden.
Schwerin: Teilweise ausgezahlte Fördergelder und Stillstand
In der Landeshauptstadt Schwerin betrifft die Insolvenz das Luxushotelprojekt „Le Tresor“ in der ehemaligen Staatsbank der DDR. Hier wurden der SHC Hotelbesitz GmbH Fördermittel in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ bewilligt. Davon kamen etwa 1,33 Millionen Euro zur Auszahlung, bevor der Investor im November 2025 Konkurs anmeldete.
Der Bewilligungszeitraum war aufgrund von Verzögerungen durch Denkmalschutzauflagen und Lieferproblemen bis März 2026 verlängert worden. Das Wirtschaftsministerium unter Dr. Wolfgang Blank (parteilos) teilte mit, dass keine weiteren Gelder ausgereicht wurden und Forderungen im Insolvenzverfahren angemeldet werden. Baudezernent Bernd Nottebaum (CDU) bedauerte den Stillstand, betonte jedoch, dass der Stadt die finanziellen Mittel fehlen, das Gebäude aus der Privatinsolvenz zu erwerben.
Investor zeigt wirtschaftliches Lebenszeichen
Trotz der Insolvenz gibt es ein überraschendes Lebenszeichen von Udo Chistee. Das Amtsgericht Wels hat bekannt gegeben, dass sein Privatunternehmen sowie die AHC International Consulting AG, deren alleiniger Anteilseigner er war, fortgeführt werden. Dies folgte auf die erste Gläubigerversammlung am 12. Februar. Der Investor selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Konkursverfahren geäußert.
Die Situation in beiden Städten verdeutlicht die Risiken von öffentlichen Förderungen für private Bauprojekte. Während in Greifswald die Nichtauszahlung der Gelder einen finanziellen Schaden verhinderte, muss Schwerin mit den bereits getätigten Investitionen umgehen. Beide Kommunen arbeiten nun daran, alternative Lösungen für die unvollendeten Hotelstandorte zu finden, um die wirtschaftliche Entwicklung in ihren Regionen nicht weiter zu gefährden.



