Das Ende einer Ära: Galeria am Rotkreuzplatz schließt nach vier Jahrzehnten
Seit 1981 prägt das Galeria-Kaufhaus am Rotkreuzplatz in München das Stadtbild von Neuhausen. Auf vier Etagen und 10.000 Quadratmetern bot es den Kunden eine riesige Auswahl an Waren, von Alltagsgegenständen bis zu besonderen Anschaffungen. Doch nun steht das Aus fest: Der Mietvertrag mit dem Eigentümer OFB, einer Tochter der Helaba, läuft am 31. Januar 2027 aus, und eine Verlängerung ist nicht geplant. Stattdessen sind Abriss und ein ambitionierter Neubau im Gespräch, der das Gesicht des Platzes nachhaltig verändern wird.
Ambitionierte Neubaupläne: Höher, grüner und gemischter Nutzung
Die OFB, die das Gebäude aus der Insolvenzmasse der Signa erwarb, hat große Pläne für das Grundstück. Bereits im Frühjahr 2027 soll mit dem Rückbau der oberirdischen Geschosse begonnen werden, sofern die erforderlichen Genehmigungen der Stadt vorliegen. Von dem alten Kaufhausgebäude aus den 1980er Jahren sollen nur der Rohbau im Erdgeschoss und die beiden Untergeschosse erhalten bleiben. Der geplante Neubau wird höher und umfasst einen grünen Innenhof, der das Areal auflockern soll.
Im ersten und zweiten Obergeschoss sind neue Büroflächen vorgesehen, während Einzelhandelsflächen nur noch ebenerdig sowie im ersten und zweiten Untergeschoss Platz finden. Der massive Bau soll durch Arkaden im Erdgeschoss optisch zurückweichen, doch an einer Ecke ist ein turmartiger Hochpunkt geplant, der bis zu 36 Meter hoch werden könnte. Hier soll ein Hotel einziehen, mit einem öffentlichen Restaurant und einer Bar im siebten Stock, die einen tollen Ausblick bietet. Die Dachfläche wird begrünt, und etwa 40 Wohnungen, davon 40 Prozent gefördert, sind im Ladehof an der Pötschnerstraße geplant.
Kritik und Herausforderungen: Höhe und Denkmalschutz
Die Pläne stießen in der Stadtgestaltungskommission auf Kritik, insbesondere wegen der Höhe des Neubaus. Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht betonte, dass die Sichtachse von der Nymphenburger Straße erhalten bleiben muss und der Neubau dem 55 Meter hohen Schwesternwohnheim des Rotkreuzklinikums keine Konkurrenz machen darf. Die Kommission, bestehend aus Architekten, Bauexperten und Naturschutzbeiräten, gab Empfehlungen für Überarbeitungen, um den denkmalgeschützten Charakter der Umgebung zu wahren.
Auswirkungen auf die Beschäftigten: Unsichere Zukunft für 120 Mitarbeiter
Für die rund 120 Beschäftigten bei Galeria und in der Lebensmittelabteilung am Rotkreuzplatz bedeutet die Schließung eine ungewisse Zukunft. Leonie Lobinger, Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg, äußerte sich besorgt: "Es ist sehr tragisch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Filiale. Wir hoffen sehr, dass für sie schonende Lösungen gefunden werden." Die OFB hat signalisiert, Galeria nach Fertigstellung des Neubaus erneut einzuladen, doch das Kaufhaus hätte dann nur noch maximal die Hälfte der bisherigen Fläche zur Verfügung, was die Jobperspektiven weiter trübt.
Zeitplan und nächste Schritte: Straffer Ablauf bis 2027
Der Zeitplan der OFB ist ambitioniert. Nach Auszug von Galeria im Januar 2027 könnte bereits im Frühjahr desselben Jahres mit dem Abriss begonnen werden, und nur ein halbes Jahr später könnte vom heutigen Kaufhaus nichts mehr zu sehen sein. Die Pläne müssen nun überarbeitet werden, um die Auflagen der Stadtgestaltungskommission zu erfüllen. Trotz der Herausforderungen zeigt sich Lobinger zuversichtlich: "Ich kann mir vorstellen, dass es eine schöne Lösung wird. Für uns ist wichtig, dass der Platz belebt bleibt." Die roten Backsteinziegel des alten Gebäudes sollen voraussichtlich wiederverwendet werden, ein kleiner Trost inmitten des Wandels.



