Galeria am Rotkreuzplatz in München droht das endgültige Aus
Die Nachricht schlägt in München-Neuhausen ein wie eine Bombe: Die traditionsreiche Galeria-Filiale am Rotkreuzplatz steht erneut vor der Schließung. Der neue Eigentümer OFB, eine Immobilienfirma der Landesbank Hessen-Thüringen, plant eine umfassende Neuentwicklung des Standorts. Aus einem Tagesordnungspunkt für die Stadtgestaltungskommission geht hervor, dass für den Einzelhandel künftig nur noch das Erdgeschoss und Untergeschoss vorgesehen sind – weite Teile des Kaufhausgebäudes sollen abgerissen werden.
Gemischte Nutzung statt traditionellem Warenhaus
Geplant ist eine gemischt genutzte Immobilie mit Wohnungen, Büros und einem Hotel. Die Immobilie war Ende 2024 aus der Insolvenzmasse des pleitegegangenen Signa-Konzerns von René Benko für rund 80 Millionen Euro verkauft worden. Der Mietvertrag mit Galeria läuft nach Informationen nur noch bis 2027. Der Eigentümer hat die Karten in der Hand, wie ein Galeria-Mitarbeiter resigniert feststellt.
Entsetzen bei Mitarbeitern und Anwohnern
Für die rund 90 Galeria-Mitarbeiter am Rotkreuzplatz sowie 30 bis 40 Beschäftigte in der Lebensmittelabteilung bedeutet dies ungewisse Zeiten. Betriebsrat Alfred Birkenmayer versucht, Ruhe zu bewahren, sagt aber: Dass es endet, scheint relativ sicher. Ein Sozialplan müsse erstellt werden. Die Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg, Leonie Lobinger von den Grünen, zeigt sich entsetzt: Ein Wegfall wäre unglaublich bitter. Das Kaufhaus präge den Stadtviertelkern und sei als Nahversorger besonders für Menschen ohne Auto und Ältere unverzichtbar.
Weitere Filialen ebenfalls gefährdet
Nicht nur in München steht Galeria vor Herausforderungen. Bei sieben weiteren der derzeit noch 83 Filialen sind Schließungen möglich. Betroffen sind Standorte in:
- Aschaffenburg
- Mannheim
- Braunschweig
- Berlin (zwei Filialen)
- Köln (zwei Filialen)
Auch hier laufen Mietverträge bald aus oder Vermieter haben andere Pläne. Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von Galeria, betont: Wir kämpfen für den Erhalt unserer Filialen und möchten an den Standorten bleiben.
Befürchtungen vor langem Leerstand
Die größte Sorge aller Beteiligten: dass das Gebäude nach einer Schließung jahrelang leer stehen könnte – ähnlich wie der alte Karstadt zwischen Schützen- und Prielmayerstraße. Sowohl Betriebsrat Birkenmayer als auch BA-Vorsitzende Lobinger hoffen, dass sich Planungs- und Genehmigungsprozesse hinziehen und Galeria noch möglichst lange bleiben kann. Ein Kaufhausbetrieb bei laufenden Abriss- und Baumaßnahmen ist jedoch kaum vorstellbar.
Seit 45 Jahren steht das große Warenhaus am Rotkreuzplatz – zunächst als Kaufhof, später als Galeria. Die Mitarbeiter und Kunden sind Kummer gewohnt, denn schon mehrmals war der Standort gefährdet. Doch diesmal scheint die Bedrohung besonders konkret. Die nächste Sitzung der Stadtgestaltungskommission am 24. März könnte weitere Klarheit bringen.



