Ewige Baustelle in Warnemünde: Frust über verfallende DDR-Villa
Einst war die Villa in der Schillerstraße 14 in Warnemünde das gastronomische Aushängeschicht der DDR. Heute präsentiert sich das Gebäude als offene Wunde im Stadtbild und sorgt bei Anwohnern sowie Passanten für erheblichen Frust. Seit Jahren steht die Immobilie als unfertige Baustelle da, während die Pläne für Eigentumswohnungen nicht vorankommen.
Vom Schmuckstück zur Schandfleck
In den 1980er Jahren lockte die Villa mit sechs internationalen Küchen und einer Cocktailbar zahlreiche Gäste an, die sogar längere Wartezeiten in Kauf nahmen. Heute fehlt das Dach, es gibt kaum Fenster und die Wände wirken alles andere als solide. „Hier passiert schon seit Jahren nichts“, schimpft ein älteres Ehepaar, das regelmäßig an dem Gebäude vorbeigeht. „Eine Schande ist das für Warnemünde!“
Die Kritik kommt auch aus dem benachbarten Hotel Neptun, wo Gäste durch die Baustelle das Urlaubsflair beeinträchtigt sehen. Ein Kran, Baugerüste und gestapelte Mörtelsäcke wirken wie eine bizarre Dekoration, die niemanden erfreut.
Geheimnisvolle Bauaktivitäten
Laut Anwohnern soll im Sommer des vergangenen Jahres tatsächlich gearbeitet worden sein – allerdings nur sporadisch. Es sei polnisch zu hören gewesen und die Beleuchtung habe geblendet. Seit dem Herbst liegt die Baustelle jedoch wieder brach. Ob es sich um eine typische Winterpause handelt, bleibt unklar.
Die Engel & Völkers Holding GmbH wirbt vor Ort mit dem Plakat „Exklusive Eigentumswohnungen am Meer zu verkaufen“, doch auf Nachfragen wird von einer Mitarbeiterin zur anderen verwiesen. Konkrete Auskünfte bleiben aus.
Stadt erklärt Baugenehmigung für gültig
Die Stadt Rostock teilt auf Nachfrage mit, dass die Baugenehmigung vom 21. Juni 2022 weiterhin gültig sei. Ein erster Nachtrag wurde am 2. September 2024 genehmigt. Bisher gebe es keine Anzeichen dafür, dass die Bauausführung länger als ein Jahr unterbrochen worden sei, heißt es aus der Verwaltung.
Diese Einschätzung deckt sich mit Informationen aus dem Umfeld der Berliner Gerüstfirma: „Es wird gearbeitet. Das Geld wird regelmäßig überwiesen.“ Doch wer genau hinter dem Projekt steht und warum der Bau so schleppend vorangeht, bleibt im Dunkeln.
Eigentümer schweigt
Besitzer der Immobilie ist das Unternehmen Casada, das eine Revitalisierung mit 25 Eigentumswohnungen plant. Auf schriftliche Anfragen des Nordkuriers an Geschäftsführer Roman Freytag bezüglich des aktuellen Baustands gab es bisher keine Antwort.
Dr. Harald Wagner, der in der Schillerstraße wohnt und das Haus Nordstern besitzt, erinnert sich mit Wehmut: „Dieses Haus war das Highlight von Warnemünde.“ Die Gäste fragten ihn jedes Jahr, warum sich dort nichts bewege.
Kommunale Hilflosigkeit
Alex Tolksdorff, Vorsitzender des Ortsbeirats Warnemünde, zeigt sich ebenfalls unbeeindruckt vom aktuellen Zustand des Hauses. Doch dem Beirat seien die Hände gebunden: „Dieses Objekt hat einen Eigentümer, und es ist nicht Aufgabe eines Ortsbeirats zu eruieren, warum ein Eigentümer mit seiner Baustelle nicht weiterkommt.“
Erst wenn eine Bürgerbeschwerde einginge oder eine Gefährdung für Passanten bestünde, könnte der Beirat aktiv werden. Bisher sei beides nicht der Fall. Die Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern sieht zwar Gespräche auf privat-rechtlicher Ebene mit dem Eigentümer vor, um den stockenden Baufortschritt zu klären – doch ob diese stattfinden, ist ungewiss.
So bleibt die einstige gastronomische Perle vorerst eine ewige Baustelle, die bei vielen Bewohnern und Besuchern von Warnemünde Frust und Nostalgie auslöst.



