Supermarkt-Parkplätze als Nacht-Stellplätze: Lohnt sich das 30-Euro-Angebot?
Supermarkt-Parkplätze als Nacht-Stellplätze: 30-Euro-Angebot

Supermarkt-Parkplätze als Nacht-Stellplätze: Lohnt sich das 30-Euro-Angebot?

Wer abends in deutschen Großstädten nach einem Parkplatz sucht, kennt das Problem: endloses Kreisen und steigende Frustration. Genau hier setzen Supermärkte und Discounter jetzt mit einem innovativen Geschäftsmodell an. Sie vermieten ihre Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten an Anwohner - eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten?

Das Konzept: Tagsüber Kunden, nachts Anwohner

Die Idee ist simpel und genial zugleich: Was tagsüber als kostenloser Kundenparkplatz dient, wird nach Geschäftsschluss zum bezahlten Stellplatz für die Nachbarschaft. Netto Marken-Discount startet dieses Modell bundesweit an rund 150 Filialen. Andere Handelsketten wie Aldi und Lidl bieten ähnliche Lösungen bereits in verschiedenen Städten an. Die Buchung erfolgt unkompliziert per QR-Code direkt vor Ort, mit flexiblen Verlängerungs- und Kündigungsmöglichkeiten.

Finanzielle Vorteile im Vergleich

Für viele Autofahrer lohnt sich das Angebot finanziell deutlich: Während ein regulärer Tiefgaragenplatz in städtischen Gebieten schnell 80 bis 150 Euro monatlich kostet, bleiben die Discounter-Preise weit darunter. Bei Aldi und Lidl bewegen sich die Kosten typischerweise bei etwa drei Euro pro Nacht. Besonders attraktiv sind die Paketangebote: Oft zahlen Autofahrer nur zwölf Euro pro Woche oder 30 Euro im Monat. In einigen Städten wie Bochum wurden sogar noch günstigere Tarife von zwei Euro pro Nacht und 20 Euro monatlich angeboten.

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Zeitersparnis und weniger Stress

Nicht nur das Portemonnaie profitiert, sondern auch die Nerven. „Das Modell ist ein Service für die Nachbarschaft unserer Filialstandorte und bietet dort zusätzliche Parkmöglichkeiten“, erklärt Christina Stylianou, Pressesprecherin von Netto Marken-Discount. In Vierteln mit extremem Parkdruck bedeutet ein garantierter Stellplatz am Abend puren Luxus. Zusätzlich sinkt das Risiko für teure Knöllchen, da man nicht mehr aus Verzweiflung an eigentlich verbotenen Stellen parken muss.

Wichtige Regeln und Einschränkungen

Das Nachtpark-Modell funktioniert jedoch nur, wenn die Zeiten zum individuellen Alltag passen. Wer morgens erst nach 9 Uhr ins Büro fährt, riskiert empfindliche Vertragsstrafen, da die Plätze tagsüber wieder für Kunden freigehalten werden müssen. Immer mehr Märkte setzen auf digitale Überwachungssysteme mit Kennzeichenerfassung durch Anbieter wie:

  • APCOA
  • Wemolo
  • Park & Control

Bei Überschreitung der erlaubten Parkzeit drohen schnell Strafen von 30 bis 50 Euro oder mehr. Interessanterweise gelten diese Regelungen auch für normale Kunden: Wer auf einen Supermarktparkplatz fährt, akzeptiert automatisch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die meist eine maximale Parkdauer von beispielsweise 90 Minuten vorsehen.

Vorteile für die Supermärkte

Auch für die Handelsunternehmen ist das Konzept äußerst attraktiv. Bisher ungenutzte Flächen generieren plötzlich zusätzliche Einnahmen, ohne dass neue Parkplätze gebaut werden müssen. Gleichzeitig können die Märkte argumentieren, dass sie vorhandene Infrastruktur sinnvoller nutzen und damit zur Entlastung der Parkplatzsituation in Wohngebieten beitragen. Dies dürfte auch einen wichtigen Kritikpunkt entschärfen, denn Supermarktparkplätze gelten seit Jahren vielen Stadtplanern und Anwohnern als ineffiziente Platzverschwendung.

Das Nachtparken auf Supermarktparkplätzen bietet somit eine pragmatische Lösung für ein alltägliches Stadtproblem. Ob sich das Angebot für den einzelnen Autofahrer lohnt, hängt jedoch stark von den individuellen Lebensumständen und der lokalen Preispolitik der Discounter ab.

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