Chinesische Billig-Kaffee-Kette startet Offensive in Berlin
Made in China erobert eine neue Branche in Deutschland: Nach Elektroautos, Smartphones und Billigkleidung drängt nun auch chinesischer Kaffee auf den deutschen Markt. Die Kette Cotti Coffee hat ihre ersten Berliner Filialen eröffnet und plant eine rasche Expansion in der Hauptstadt.
Kampfpreise und digitale Bestellung
Vor dem Eingang vis-à-vis vom Bahnhof Friedrichstraße baumeln noch die Luftballons von der Eröffnungsfeier, ein zweiter Standort befindet sich an der Leipziger Straße. Das Geschäftsmodell basiert auf aggressiven Niedrigpreisen: Ein Espresso kostet nur 99 Cent, ein Caffè Latte ist für 2,99 Euro zu haben. Die Bestellung erfolgt ausschließlich über eine mobile App.
„Das ist mein Lieblings-Shop“, schwärmt Tourist Toughe Guan (21) aus Nürnberg, der einen Americano mit Apfelsaft bestellt. Der chinesische Student erklärt: „Ich kenne die Kette von zu Hause.“ Sein Freund Kairui Iia (22) aus Passau ergänzt: „Die Angebote sind vor allem erschwinglich.“
Social-Media-Strategie und Gratisgetränke
Teresa Feller (23) hat es sich auf einem der wenigen Sitzplätze gemütlich gemacht. „Ich war ein Jahr als Austauschstudentin in China, habe mich richtig gefreut, hierher zu kommen“, sagt sie. Für ihr Getränk musste sie nichts bezahlen, da sie zuvor Werbung für die Kette in den sozialen Medien gepostet hatte und dies beim Bestellen nachweisen konnte.
Der Konzern setzt voll auf Social-Media-Marketing und gewährt Influencern regelmäßig Rabatte oder sogar kostenlose Getränke. Teresa Feller postete ein Foto von einem früheren Besuch und erhielt dafür diesmal ihren Grapefruit-Americano gratis.
Chinesisches Personal und Kaffeebohnen
Hinter der Theke arbeiten ausschließlich chinesische Mitarbeiter. Jiawying Wang (36) verdient 14 Euro brutto pro Stunde. „Die Atmosphäre ist freundlich hier, wir können in unserer Muttersprache kommunizieren“, sagt die BWL-Absolventin, die sich nach dem Studium zunächst auf ihre Familie konzentriert hatte und nun über das Jobangebot erfreut ist. „Ich bin hier die älteste, die anderen studieren noch.“
Interessanterweise sollen selbst die Kaffeebohnen made in China sein. Kaffee wird etwa im Süden des Landes in der Provinz Yunnan angebaut, was die Lieferkette verkürzt und Kosten spart.
Aggressive Expansionspläne
Nach Informationen sollen in Berlin schnell weitere Filialen folgen, etwa an der Turmstraße in Moabit sowie in Shopping-Centern in Spandau und an der Schloßstraße in Steglitz. Parallel expandiert Cotti Coffee bereits in anderen deutschen Großstädten wie Köln, Hamburg und Düsseldorf.
Nach eigenen Angaben betreibt die Kette weltweit 18.000 Bars in 28 Ländern und strebt an, global die Nummer 1 zu werden. Zum Vergleich: Der US-Konkurrent Starbucks kam vor einem Jahr auf 40.200 Filialen weltweit.
Die chinesische Billig-Kaffee-Offensive in Berlin zeigt, wie globalisierte Geschäftsmodelle mit digitaler Bestellung, Social-Media-Marketing und Niedrigpreisstrategien traditionelle Märkte herausfordern. Ob sich das Modell langfristig in der deutschen Hauptstadt etablieren kann, bleibt abzuwarten.



