Brot-Krise in München-Allach? Traditionelle Bäckereien schränken Angebot ein
In den Ostertagen sind duftende Hefezöpfe, mit Puderzucker bestäubte Osterlämmer und frisches Sauerteigbrot besonders gefragt. Doch im Münchner Stadtteil Allach herrscht bei einigen Bewohnern Unmut über schrumpfende Einkaufsmöglichkeiten für hochwertige Backwaren.
Wo ist mein Brot? Seniorin klagt über schwierige Versorgung
Die Münchnerin Irmtraud Schienagel (76) beschwert sich über eine besorgniserregende Entwicklung in ihrem Viertel. "Wo ist mein Brot?", fragt die AZ-Abonnentin und erklärt: "In Allach wird es immer schwieriger, richtig gutes Brot zu kaufen. Das erschreckt meinen Freundeskreis und mich. Wir halten diese Entwicklung für eine Katastrophe."
Hofpfisterei schließt nachmittags – Personalmangel als Grund
Ein konkreter Auslöser für den Unmut ist die Filiale der Hofpfisterei in der Vesaliusstraße 4 in der Nähe des Allacher S-Bahnhofs. Seit 2025 hat die Bio-Bäckerei am Nachmittag geschlossen. "Wieso ist es da dunkel? Wieso ist das Schaufenster am Nachmittag schwarz?", wunderte sich Irmtraud Schienagel anfangs. Sie vermutet, dass die Schließung auf Personalmangel zurückzuführen ist.
Andreas Gerte, Sprecher der Hofpfisterei, bestätigt, dass drei Filialen dauerhaft nachmittags geschlossen sind. Die Gründe sind die Anpassung der Öffnungszeiten an die Nachfrage und der bekannte Personalmangel im Verkauf. Insgesamt haben zehn der 76 Bäckerei-Filialen "fluktuierend" am Nachmittag geschlossen. "Ich möchte aber betonen, dass es sich bei den Nachmittagsschließungen nicht um eine strategische Neuausrichtung im Sinne einer Angebotsreduzierung handelt", schreibt der Sprecher auf AZ-Anfrage. "Wir arbeiten intensiv daran, betroffene Filialen wie zuvor gewohnt zu öffnen."
Brotwagen am Allacher Wochenmarkt kommt nicht mehr
Eine weitere Enttäuschung für Irmtraud Schienagel ist der Brotwagen auf dem Allacher Wochenmarkt am Oertelplatz, der seit dieser Woche nicht mehr angefahren wird. Am letzten Markttag, dem Dienstag, den 31. März, vermisste die Stammkundin den Stand vom Verkaufsauto der Albert-Link-Hütte vom Spitzingsee zum ersten Mal. "Gutes Brot ist für mich essenziell und das Brot dort war sagenhaft gut. Es tut weh, dass unser Markt nicht mehr angefahren wird. Ich habe hier jede Woche das fantastische Sechskornbrot gekauft!", klagt die Münchnerin, die als Coach arbeitet.
Soziale Kontakte gehen verloren – Einkaufen als soziale Geste
Für Irmtraud Schienagel geht es beim Einkaufen nicht nur um den Erwerb von Lebensmitteln, sondern auch um soziale Interaktionen. "Das ist doch das Nette, wenn man als Kundin schon bekannt ist. Oder Verkäufer schon wissen, was man haben möchte. Einkaufen ist eine Geste, die sehr sozial ist. Da gibt es eine gegenseitige Achtung. Wir Menschen brauchen diesen Austausch", betont die Allacherin. Sie bestellt zwar auch mal online und findet Pfister-Brot im Edeka-Supermarkt, doch das schrumpfende Angebot von Traditions-Bäckereien macht sie traurig. "Diese gewohnten Einkaufsrituale bringen Struktur ins Leben und ein Stück Glück. Für ältere Leute ist das Gespräch an der Ladentheke oftmals der einzige Kontakt am Tag."
Bäckerinnung gibt Entwarnung – Keine generelle Krise in München
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es in Allach noch eine Bäckereikette und einen klassischen Bäcker gibt. Ganz ohne Brot sind die Allacher also nicht. Die Bäckerinnung gibt auf AZ-Anfrage für München eindeutig Entwarnung. Claudia Krüger-Köck, die Geschäftsführerin der Innung, erklärt: "Die Anzahl von Bäckereien im Stadtgebiet München würde ich auf einem hohen Niveau sehen. Vereinzelt wird es Schließungen geben, aber wir haben auch viele Neugründungen." Ihre Einschätzung zur Situation: "Eine Tendenz zur Nachmittagsschließung kann ich nicht bestätigen, es mag einzelne Ausnahmen geben."
Dennoch bleibt für Bewohner wie Irmtraud Schienagel die Sorge, dass persönliche Einkaufserlebnisse und soziale Kontakte durch die Veränderungen im Bäckerhandwerk verloren gehen könnten.



