Bauernpräsident Rukwied schlägt Alarm: Ernte unter Druck
Die diesjährige Getreideernte in Deutschland steht unter keinem guten Stern: Extreme Hitze, gestiegene Kosten und eine politische Debatte um die Zukunft von Minijobs setzen die Landwirte massiv unter Druck. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, äußerte sich zum Ernteauftakt im brandenburgischen Ransdorf südlich von Berlin besorgt über die wirtschaftliche Lage der Betriebe.
„Gerade auch wir in der Landwirtschaft, neben der Gastronomie, sind auf Minijobber angewiesen“, betonte Rukwied. Diese Helfer seien bei der Ernte und Aussaat unverzichtbar. „Für uns sind sie nicht ersetzbar und insofern bedeutet das eine weitere Belastung der Landwirtschaft, die im Moment schon ums Überleben kämpft.“
Minijob-Debatte und Tankrabatt-Ende verärgern Landwirte
Hintergrund ist ein Vorschlag der schwarz-roten Koalition zur Rentenreform, der die Abschaffung von Minijobs mit einem Verdienst von bis zu 603 Euro monatlich vorsieht. Eine Regierungskommission hatte dies empfohlen, konkrete Änderungen sind jedoch noch offen. Die Landwirte fürchten den Wegfall einer wichtigen Arbeitskraftquelle. Hinzu kommt das Ende des Tankrabatts, das die Betriebskosten weiter in die Höhe treibt.
Der Bauernverband fordert daher eine Verlängerung des Tankrabatts bis Ende November. „Jetzt ist die Zeit, wo bei uns die Hauptarbeiten anfallen“, so Rukwied. Die Energiekosten erdrückten die Landwirtschaft, da während der Erntezeit besonders viel Treibstoff benötigt werde.
Hitze führt zu Notreife und Ertragsrückgängen
Die extreme Hitzephase im Juni könnte laut Bauernverband zu Ernteeinbußen führen. „Insofern befürchten wir, dass wir hier Ertragsrückgänge, insbesondere bei späteren Kulturarten wie Weizen, hinnehmen müssen“, sagte Rukwied. Derzeit gehe er aber noch von einer Durchschnittsernte aus – mit regionalen Unterschieden. Beim Getreide spreche man von Notreife: Ab einer Temperatur von über 27 Grad schalte das Getreide auf einen Selbsterhaltungsmodus. „Es gibt dann Qualitätseinbußen und kleinere Körner. Das heißt am Ende weniger Ertrag“, erklärte der Bauernpräsident. „Die Folgen des Klimawandels sind unmittelbar spürbar. Extremwetterlagen wie Hitze, Starkregen und Trockenperioden treten häufiger auf.“
Wachsender wirtschaftlicher Druck: Kosten explodieren
Rukwied beklagte den wachsenden wirtschaftlichen Druck für die Agrarbetriebe. Er nannte gesunkene Erzeugerpreise, gestiegene Kosten durch Düngemittel- und Dieselpreise sowie zu viel Bürokratie. Die Gesamtfläche für den Getreideanbau liegt laut Verband mit 6,03 Millionen Hektar leicht über dem Vorjahr (5,92 Millionen Hektar).
Der Vizepräsident des Landesbauernverbandes in Brandenburg, Christoph Plass, schilderte die konkreten Kosten für seinen Betrieb: „Wir brauchen über 1.000 Liter Treibstoff am Tag, nur für einen Mähdrescher. Das sind Mehrkosten von über 500 Euro bei den Preissteigerungen im Vergleich zum letzten Jahr.“ Für den Gesamtbetrieb summiere sich das auf mehr als 100.000 Euro. „Das führt zu blanker Frustration bei mir. Auch wenn wir eine durchschnittliche Ernte einfahren, ist sie auf der wirtschaftlichen Seite einfach nicht gut“, sagte Plass.
Schilf-Glasflügelzikade bedroht Kartoffeln und Zuckerrüben
Ärger anderer Art macht die Schilf-Glasflügelzikade, die sich bundesweit ausbreitet. Das Insekt bedroht laut Bauernverband den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse, da es bakterielle Erreger überträgt und zu großen Ernteausfällen führen kann. Die für 2026 erteilten Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel gegen das Insekt verschafften kurzfristig Luft, seien aber keine Dauerlösung, sagte Rukwied. „Wir brauchen Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel.“



