Die Deutsche Bahn (DB) gibt ihre bisherigen Wachstumsziele auf. Bahn-Chefin Evelyn Palla erklärte, dass Ziele wie die Verdopplung der Fahrgastzahlen nicht haltbar seien. „Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen“, sagte Palla. Künftig stünden Verlässlichkeit, Betriebsqualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit im Fokus.
Sanierung in drei Phasen
Palla stellte dem Aufsichtsrat diese Woche ihre Pläne für den Konzernumbau vor. Die Sanierung erfolgt in drei Schritten. Noch in diesem Jahr soll der Konzern eine neue Struktur erhalten. In der zweiten Phase bis 2030 sollen alle Geschäftsfelder wettbewerbsfähig werden. Bis Mitte der 2030er Jahre, pünktlich zum 200-jährigen Eisenbahnjubiläum, soll die Sanierung abgeschlossen sein – inklusive intakter Infrastruktur und weitgehend pünktlichem Verkehr.
Allerdings räumte Palla ein: „Dafür brauchen wir auch künftig eine auskömmliche, verlässliche Finanzierung und passende Rahmenbedingungen.“ Ohne diese seien die Sanierungsziele nicht voll erreichbar. Nach bisherigen Plänen der Bundesregierung fehlen der Bahn in den kommenden Jahren rund 13 Milliarden Euro, um die Pünktlichkeitsziele von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zu erreichen. Diese Rechnung stieß beim Minister auf wenig Begeisterung.
Konzernumbau mit Stellenabbau
Im ersten Halbjahr leitete Palla den Umbau ein. Die Zentrale wird schlanker: Übergeordnete Steuerungsfunktionen bleiben, während die Geschäftsbereiche Infrastruktur, Fernverkehr, DB Regio und Cargo eigenständiger agieren. Auch Dienstleistungen wie die IT-Tochter werden nicht mehr auf Konzernebene geführt. Der Umbau führt zum Abbau von über 1000 Stellen. Beispielsweise arbeiteten 200 Beschäftigte in einer Strategieabteilung, die in diesem Umfang nicht mehr benötigt wird. Von 100 Nachhaltigkeitsstellen bleiben nur 15. „Der Konzernumbau führt ab 2028 zu Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr bei Sach- und Personalkosten“, so die Bahn. Leitprinzip sei ein Kulturwandel: „Leistung und Zielerreichung sind Leitschnur.“
Neuer Finanzvorstand ab September
Palla muss die Doppelrolle als Chefin und Finanzvorständin nicht länger ausfüllen. Der Aufsichtsrat berief Michael Obrowski zum neuen Finanzvorstand ab 1. September. Der 57-Jährige war zuletzt Finanzchef der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen und bringt Erfahrung in der Führung eines Großkonzerns mit.
Infrastruktur und Wettbewerb
Bis Ende des Jahrzehnts sollen 24 Korridore mit 2500 Kilometern Gesamtlänge erneuert werden. Die Pünktlichkeitsquote soll dann im Fernverkehr auf rund 70 Prozent und im Regionalverkehr auf etwa 90 Prozent steigen. Allerdings verschärft der Wettbewerb den Druck: Unternehmen wie Italo und Flixtrain drängen in den Fernverkehr. Die DB möchte 85 Prozent des Fernverkehrs halten, derzeit sind es über 95 Prozent. Ein weiteres Problem: Die Cargo-Sparte muss bis Ende 2026 schwarze Zahlen schreiben, sonst droht die Zerschlagung durch die EU.
Grenzüberschreitender Verkehr als Pilotprojekt
Ein Erfolg der Sanierung soll auch bessere grenzüberschreitende Verbindungen bringen. An diesem Freitag wurde ein Pilotprojekt eingeweiht: Tägliche Hin- und Rückfahrten von Prag über Berlin nach Kopenhagen. Die Bahnen aus Tschechien und Dänemark arbeiten mit der DB zusammen. Die EU fördert die Linie und will mit insgesamt zehn Pilotvorhaben Hindernisse im grenzüberschreitenden Verkehr überwinden.



