17-Cent-Tankrabatt erst ab Mai: Autofahrer kritisieren schleppende Umsetzung der Regierung
Tankrabatt ab Mai: Autofahrer kritisieren schleppende Umsetzung

17-Cent-Tankrabatt erst ab Mai: Autofahrer kritisieren schleppende Umsetzung

Berlin – Die lang erwartete Entlastung an der Tankstelle lässt weiter auf sich warten. Die CDU/SPD-Regierung hat zwar eine Senkung der Energiesteuer um 17 Cent pro Liter beschlossen, doch die auf zwei Monate begrenzte Maßnahme soll frühestens Anfang Mai in Kraft treten. Bis dahin müssen Autofahrer in Deutschland weiterhin hohe Spritpreise bezahlen. Die Verzögerung stößt bei vielen auf Unverständnis und Kritik.

Frust an Tankstellen in ganz Deutschland

An der Selbstbedienungstankstelle des „Globus“-Supermarkts in Erfurt herrscht am Dienstagvormittag reger Betrieb. Der Liter Diesel kostet knapp 2,26 Euro, ab 12 Uhr steigt der Preis auf 2,29 Euro. Kundin Jasmin Koch, eine 20-jährige Rechtsanwaltsfachgehilfin, die monatlich 2000 Kilometer pendelt, zeigt sich dennoch verhalten optimistisch: „Die 17 Cent Preisnachlass finde ich besser als gar nichts.“ Sie hofft, dass die Preise langfristig wieder fallen werden.

Anders sieht es Steffen Stöckel, ein 52-jähriger Bundeswehr-Angehöriger aus Erfurt: „Die Maßnahme mit den 17 Cent halte ich für sinnlos. Warum wird das nicht sofort umgesetzt, sondern erst ab Mai? Bei schnellen Hilfen für das Ausland klappt das doch auch.“ Als Dieselfahrer fühlt er sich doppelt benachteiligt, da er höhere Steuern und die höchsten Preise zahlt.

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Entlastung oder Augenwischerei?

Dave Fernschild, ein 21-jähriger Paketzusteller aus Erfurt, der täglich 80 Kilometer zur Arbeit pendelt, begrüßt die Sparmaßnahme: „Bei mir machen 17 Cent weniger beim Tanken schon viel aus.“ Allerdings befürchtet er, dass der Preisnachlass ab Mai durch weitere Erhöhungen aufgefressen sein wird.

An einer Total-Tankstelle in Dortmund herrscht mittags gähnende Leere. Der anonym bleibende Pächter berichtet: „Die Leute tanken nur noch, wenn es sich nicht verhindern lässt.“ Er bezweifelt, dass die Steuersenkung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt: „Das ist nur Augenwischerei.“ Hier kostete der Liter Diesel nach 12 Uhr 2,38 Euro, Super E10 2,18 Euro.

Internationale Vergleiche und persönliche Härten

Youssef Radi, ein 47-jähriger Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit, pendelt täglich von Hamm nach Dortmund. Er kritisiert das langsame Vorgehen der deutschen Regierung im Vergleich zu anderen Ländern: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Steuersenkung erst so spät kommt. Andere Länder, wie etwa Spanien, haben sofort gegengelenkt, die haben Preise von einem anderen Planeten.“ Radi fühlt sich finanziell stark belastet: „Ich habe das Gefühl, ich arbeite nur, um zu tanken. Spritztouren mit den Kindern oder kleine Reisen sind nicht mehr drin.“

Die dreifache Mutter Andrea Adorf aus Cochem, die beruflich viel mit dem Auto unterwegs ist, spart sogar am Essen, um die hohen Spritkosten zu stemmen. Sie ist skeptisch: „Die angekündigte Steuersenkung wird nicht bei uns ankommen. Am Ende wird es wieder an einer anderen Stelle draufgeschlagen, das hat man in Deutschland schon oft genug erlebt.“ Sie fragt sich, warum in einer digitalisierten Welt die Umsetzung nicht schneller erfolgen kann.

Staat verdient kräftig mit

An der „TX Tank Express“-Tankstelle in Hannover müssen Kunden nach 12 Uhr knapp 2,44 Euro für den Liter Diesel bezahlen. Berufskraftfahrer Sergio Lai aus Hannover übt scharfe Kritik: „In Italien und Spanien hat die Regierung deutlich schneller reagiert. In Deutschland dauert das viel zu lange, weil der Staat kräftig mitverdient.“ Er sieht die Verzögerung als bewusste Entscheidung, die zu Lasten der Verbraucher geht.

Sebastian Mündel, ein 43-jähriger Key-Account-Manager aus Hannover, hält die Maßnahme für wirkungslos: „Das Niveau wird sicherlich weiter hoch bleiben. Viele tanken deshalb nur noch sparsam nach, in der Hoffnung auf sinkende Preise, sodass die Maßnahme für viele eher wie Symbolpolitik wirkt.“

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Gemischte Reaktionen in Bayern

An einer freien Tankstelle in Gräfelfing bleiben die Preise stabil: 2,05 Euro für Super E10 und 2,23 Euro für Diesel. Porsche-Fahrer Nouri Tamaldou, ein 68-jähriger Privatier, zeigt sich pragmatisch: „Die 17 Cent sind besser als nichts, oder?“ Allerdings nutzt er seinen Porsche nur noch für Spazierfahrten und setzt vermehrt auf ein E-Auto, da Strom deutlich günstiger sei.

Die Rentner Roswitha und Horst Mindel äußern Zweifel, ob die Entlastung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt: „Eine sofortige Reduzierung hätte Sinn gemacht“, sagt Horst Mindel. „Ich habe Zweifel, ob die 17 Cent auch wirklich beim Verbraucher landen und nicht bei den Mineralölfirmen. Ich fürchte, das wandert am Ende in deren Taschen …“

Insgesamt zeigt sich: Während einige Autofahrer die geplante Steuersenkung als kleinen Schritt in die richtige Richtung sehen, überwiegt bei vielen die Frustration über die schleppende Umsetzung und die Sorge, dass die Entlastung nicht spürbar sein wird.