Stromio muss Millionen zahlen: OLG Düsseldorf weist Berufung gegen Kündigungen zurück
Stromio muss Millionen zahlen: OLG Düsseldorf weist Berufung ab

Stromio muss Millionen an Kunden zahlen: OLG Düsseldorf weist Berufung ab

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hat der Energieversorger Stromio eine entscheidende Niederlage erlitten. Das Gericht wies die Berufung des Unternehmens gegen ein früheres Urteil zurück, das die massenhaften Kündigungen von Strom- und Gasverträgen Ende 2021 als rechtswidrig einstufte. Damit steht nun endgültig fest: Stromio muss betroffenen Kunden Millionenbeträge an Schadenersatz zahlen.

Hintergrund der massenhaften Vertragskündigungen

Vor fast genau vier Jahren, im Dezember 2021, vollzog Stromio einen beispiellosen Schritt in der deutschen Energiewirtschaft: Das Unternehmen kündigte sämtliche Verträge seiner hunderttausenden Kunden. Als Grund nannte die Firma die enormen außenpolitischen Verwerfungen und die damit verbundene Preisexplosion auf den Energiemärkten. Nach Angaben von Stromio-Anwälten sah sich das Unternehmen außerstande, den Geschäftsbetrieb weiter aufrechtzuerhalten, und entschied sich daher für eine außerordentliche Kündigung aller Verträge, um eine Insolvenz zu vermeiden.

Diese als kundenorientierte Abwicklung bezeichnete Maßnahme hatte jedoch schwerwiegende Folgen für die betroffenen Verbraucher. Hunderttausende Kunden rutschten infolge der Kündigungen in die teure Ersatz- oder Grundversorgung oder mussten deutlich teurere Neuverträge abschließen. Die finanziellen Einbußen beliefen sich nach Expertenangaben im Schnitt auf etwa 1000 Euro pro Privathaushalt bei Gas und rund 300 Euro bei Strom.

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Rechtliche Auseinandersetzung und gerichtliche Entscheidung

Bereits mit Urteil vom 30. Mai 2025 hatte das Landesgericht Düsseldorf das Vorgehen von Stromio als rechtswidrig eingestuft. Das Unternehmen legte daraufhin Berufung ein, die nun vom Oberlandesgericht Düsseldorf in einem einstimmigen Beschluss als offensichtlich aussichtslos bewertet und zurückgewiesen wurde.

„Nach dem Scheitern der außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen müssen Betroffene nun selbst aktiv werden, um mögliche Schadenersatzansprüche zu sichern“, erklärt Tobias Hirt, dessen Firma Veneko im Namen von Geschädigten Schadenersatz erkämpfen will. „Nach Fristablauf drohen den Geschädigten erhebliche finanzielle Verluste.“

Kerstin Wolf von der Verbraucherzentrale Hessen zeigt sich wenig beeindruckt von der Darstellung Stromios als kundenorientiertes Unternehmen: „Über diese Behauptung können wir nur lachen. Die Realität sieht für die betroffenen Verbraucher ganz anders aus.“

Komplexes Firmengeflecht und aktuelle Marktpräsenz

Besonders brisant an dem Fall ist das komplexe Firmengeflecht hinter den Marken Stromio und Grünwelt. Nachdem die Marke Stromio durch die Kündigungen auf dem Strommarkt verbrannt ist, hat die dahinterstehende Universal Utility Investment GmbH & Co. KG ihre Werbung auf Grünwelt umgestellt. Diese Marke wird weiterhin von bekannten Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox beworben.

Laut Anwälten der Grünwelt Wärmestrom GmbH, die am Markt als Grünwelt Energie bekannt ist, haben deren Kunden im Kontext der massenhaften Kündigungen keine Vertragskündigungen erhalten. „Die Kunden der Grünwelt Wärmestrom GmbH werden weiterhin zuverlässig mit günstigem Ökostrom versorgt“, so die offizielle Stellungnahme.

Offene Fragen und nächste Schritte

Die entscheidende Frage, ob Stromio nun freiwillig Schadenersatz zahlt, ließen die Anwälte des Unternehmens unbeantwortet. Bislang gab es lediglich in Einzelfällen über die Firma Veneko freiwillige Auszahlungen.

Für die betroffenen Kunden bedeutet das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf nun Klarheit:

  • Die Kündigungen durch Stromio waren rechtswidrig
  • Der Versorger muss Schadenersatz leisten
  • Betroffene müssen ihre Ansprüche aktiv geltend machen
  • Die Fristen für die Geltendmachung sind entscheidend

Der Fall zeigt eindrücklich, wie Verbraucherrechte in der Energiewirtschaft durchgesetzt werden können, selbst gegen große Versorger. Gleichzeitig offenbart er die Schwierigkeiten, die komplexen Firmenstrukturen in der Branche zu durchschauen und Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen.

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