Staatliche Entlastungen in den Energiekrisenjahren 2022 und 2023 haben einer Studie zufolge vor allem fossile Energieträger begünstigt und wirken somit klimaschädlich. Die Hilfspakete in Form von Steuersenkungen, Preisbremsen oder Direktzahlungen entsprechen im Durchschnitt der 27 EU-Staaten einer dauerhaften Subvention von etwa 18 Euro pro Tonne CO2 bei Erdgas und zehn Euro bei Öl, wie aus einer Analyse des Forschungsnetzwerks EconPol Europe hervorgeht.
Deutschland stellte bis zu 187 Milliarden Euro bereit
„In der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise stellte Deutschland insgesamt bis zu 187 Milliarden Euro bereit“, sagte Ifo-Forscher Andreas Peichl. „Davon entfielen rund 71 Milliarden Euro auf gezielte Hilfen für Öl- und Erdgaskunden.“ Die Maßnahmen hätten fossile Energien relativ verbilligt und damit Anreize zum Energiesparen gedämpft.
Die Fachleute empfehlen, dass Entlastungsmaßnahmen in künftigen Krisen eher Anreize zum Energiesparen enthalten sollten. „Senkt ein Staat etwa Steuern auf Benzin, Diesel oder Gas, entlastet er vor allem Haushalte und Firmen mit hohem Verbrauch“, erklärte Matthias Kalkuhl vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Gleichzeitig dämpft er den Preisschock, der eigentlich zum Sparen anregen soll.“
Klimafreundlichere Alternativen gefordert
Es sei im Nachgang darauf zu achten, dass die Maßnahmen über höhere Abgaben auf fossile Energieträger refinanziert würden. Niedrigere Stromsteuern etwa wären eine klimafreundlichere Maßnahme: Sie machen Strom im Vergleich zu Öl und Gas günstiger und entlasten viele Haushalte, ohne den Verbrauch fossiler Energie direkt zu verbilligen. Zuletzt hatten auch viele Ökonomen und andere Experten den Tankrabatt der Bundesregierung für Mai und Juni kritisiert.
Abhängigkeit von fossilen Importen
Die Studie zeigt zudem, wie stark Europa von fossilen Energieimporten abhängt: Im Durchschnitt deckt die EU rund 57 Prozent ihres Energiebedarfs über Importe. Deutschland etwa importierte 2023 fossile Energie im Wert von etwa 80 Milliarden Euro. Diese Einfuhren decken 67 Prozent des heimischen Energieverbrauchs. Steigen die Weltmarktpreise dauerhaft um 50 Prozent, erhöhen sich allein für Deutschland die Importkosten um ungefähr 40 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht der Analyse zufolge etwa einem Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.
Dauerhafte Subventionseffekte
Die Studie vergleicht die dauerhaften Subventionseffekte staatlicher Hilfen länderübergreifend und berechnet diese in Euro pro Tonne CO2. „Hilfsprogramme führen dazu, dass sich alle auch in Zukunft auf den Staat verlassen, wenn die Ölpreise wieder steigen“, heißt es weiter. Letztlich stellten sie eine vom Steuerzahler finanzierte Versicherung dar, die den Umstieg auf heimische, strombasierte Energietechnologien bremse.



