Stromverbrauch im Osten Deutschlands zeigt weiter rückläufige Tendenz
Die wirtschaftliche Situation hat im vergangenen Jahr zu einem erneuten Rückgang des Stromverbrauchs in mehreren ost- und norddeutschen Bundesländern geführt. Insgesamt wurden in den Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Hamburg knapp 93,3 Terawattstunden (TWh) Strom verbraucht. Dies teilte der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz mit.
Der Verbrauch lag damit um 0,7 TWh unter dem Wert des Vorjahres. Eine Terawattstunde entspricht dabei einer Milliarde Kilowattstunden. Neben der schwachen Konjunktur zeigt sich auch, dass die Zahl der Elektroautos und Wärmepumpen nur langsam steigt. "Der Stromverbrauch hat nach wie vor keinen dynamischen Anstieg. Aber wir werden einen Anstieg sehen, daran gibt es gar keinen Zweifel", sagte 50Hertz-Chef Stefan Kapferer mit Blick auf die langfristige Entwicklung.
Drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen
Rund 75 Prozent des verbrauchten Stroms stammten laut 50Hertz aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne. Die Stromerzeugung aus Windenergie und Photovoltaik-Anlagen im Netzgebiet von 50Hertz lag bei insgesamt 69 TWh. Dabei stieg die PV-Erzeugung deutlich von 17,2 TWh im Jahr 2024 auf fast 20 TWh im vergangenen Jahr. Die Windenergie nahm hingegen leicht ab, von 41,6 Terawattstunden auf 39.
Kapferer betonte, dass 2025 ein schwaches Windjahr gewesen sei, besonders im ersten Quartal. Die Stromerzeugung durch Wind an Land sei aber besonders wichtig für die Energiewende und deutlich größer als bei einer vergleichbaren Menge an Solarkapazitäten.
Herausforderungen bei Netzanschlüssen für neue Projekte
Ein schwieriges Thema für 50Hertz bleibt der Anschluss neuer Netzprojekte wie Rechenzentren, Großbatteriespeicher oder PV-Freiflächenanlagen. Der Übertragungsnetzbetreiber hat bisher 90 Anschlusszusagen für solche Projekte erteilt, die bis 2030 beginnen sollen. Aktuell liegen weitere Anträge für 140 Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von knapp 53 Gigawatt, 17 Rechenzentren (9,4 GW) und zwei Elektrolyseure (0,7 GW) vor.
Damit bei der Vergabe der Anschlüsse keine Staus entstehen, werden die Zusagen ab dem 1. April nach dem Reifegrad der einzelnen Projekte vergeben und nicht mehr nach dem Prinzip des schnellsten Antragstellers. "Diese Anpassung war dringend erforderlich – wären wir beim alten Verfahren geblieben, wären innerhalb kürzester Zeit auch über 2030 hinaus alle verfügbaren Netzanschlüsse blockiert worden", teilte 50Hertz-Chef Kapferer mit.
Die Kombination aus sinkendem Stromverbrauch, schwankender Erzeugung aus erneuerbaren Quellen und der hohen Nachfrage nach Netzanschlüssen stellt den Übertragungsnetzbetreiber vor komplexe Herausforderungen. Während die Energiewende im Netzgebiet von 50Hertz mit hohen Erneuerbaren-Anteilen voranschreitet, müssen gleichzeitig die Infrastruktur und Vergabeverfahren für neue Projekte angepasst werden.



