Spahn fordert Comeback der Atomkraft: Debatte über Reaktivierung stillgelegter Reaktoren
Unionsfraktionschef Jens Spahn hat die Diskussion um eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie in Deutschland neu entfacht. Der CDU-Politiker zeigte sich offen für eine Wiederinbetriebnahme der vor drei Jahren abgeschalteten Atomkraftwerke und forderte eine gesellschaftliche Debatte zu diesem Thema.
Kostenargument als zentraler Punkt
Spahn verwies auf Studien, nach denen die stillgelegten Reaktoren mit etwa neun bis zehn Milliarden Euro wieder ans Netz gebracht werden könnten. "In anderen Staaten würden 30 bis 50 Milliarden Euro investiert, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen", argumentierte der Politiker. "Wir könnten mit deutlich weniger unsere gerade abgeschalteten Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen. Eine Diskussion ist es in jedem Fall wert."
Diese Aussagen machte Spahn am Rande eines Forschungskongresses der Unionsfraktion in Berlin vor Journalisten. Damit bedient er die Sehnsucht vieler Unionspolitiker nach einer Rückkehr zur Atomkraft, obwohl Bundeskanzler Friedrich Merz den Atomausstieg als unumkehrbar bezeichnet hatte.
Breite Unterstützung in der Union
Nicht nur Spahn heizt die Debatte an. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von der CSU hatte Mitte März eine Abkehr vom Atomausstieg gefordert und angekündigt, den Bau moderner Mini-Atomkraftwerke in Bayern zu planen. Die Diskussion über Kernenergie hatte zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Abkehr von der Technologie als strategischen Fehler bezeichnet hatte.
Kanzler Merz teilte zwar von der Leyens Einschätzung, betonte aber gleichzeitig: "Der Beschluss ist irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so." Diese ambivalente Haltung innerhalb der Union zeigt die anhaltende Spannung in der energiepolitischen Debatte.
AfD unterstützt Reaktivierungspläne
Nicht nur in der Union gibt es hartnäckige Befürworter der Atomkraft. Auch die AfD hat das Thema auf die Agenda gebracht und einen Antrag zur Wiederinbetriebnahme von Reaktoren in den Bundestag eingebracht. Der für Atomkraft zuständige AfD-Abgeordnete Paul Schmidt, ehemaliger Betriebsphysiker im Kernkraftwerk Philippsburg, argumentiert ähnlich wie Spahn.
Schmidt bezeichnete Angaben des Verbands der deutschen Kerntechnik als plausibel, wonach mehrere stillgelegte Kraftwerksblöcke innerhalb von drei Jahren mit jeweils ein bis drei Milliarden Euro wieder in Betrieb genommen werden könnten. Als Beispiele nannte er Neckarwestheim II und Brokdorf, wo bisher wenig Rückbau stattgefunden habe.
Historischer Hintergrund und aktuelle Entwicklungen
Der Ausstieg aus der Atomenergie wurde unter der CDU-geführten Bundesregierung von Angela Merkel nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 beschlossen. Im Jahr 2023 wurden schließlich die letzten drei Kernkraftwerke in Deutschland endgültig abgeschaltet. Seitdem mehren sich jedoch die Stimmen, die eine Rückkehr zur Kernenergie fordern.
Interessant ist, dass selbst Energiekonzerne Zweifel äußern, ob eine Rückkehr zur Atomkraft sinnvoll ist. Die wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen einer Reaktivierung sind erheblich, wie verschiedene Studien zeigen. Dennoch gewinnt die Debatte angesichts der energiepolitischen Herausforderungen und Klimaziele wieder an Bedeutung.
Die Diskussion wird zusätzlich befeuert durch die Hoffnung auf moderne Mini-Atomkraftwerke, die als klimaneutrale und sichere Alternative gepriesen werden. Allerdings bleiben viele Experten skeptisch und verweisen auf die hohen Kosten und ungelösten Entsorgungsfragen.



