Microsoft baut sein viertes KI-Rechenzentrum im Rheinischen Revier, diesmal in Grevenbroich. Das Unternehmen unterzeichnete einen Kaufvertrag für ein 23 Hektar großes, ehemals landwirtschaftlich genutztes Grundstück. Der Kauf steht unter Vorbehalt der Baugenehmigung. Die Investitionssumme wurde nicht bekannt gegeben, dürfte aber im hohen dreistelligen Millionenbereich oder sogar bei etwa einer Milliarde Euro liegen. Bereits 2024 hatte Microsoft drei weitere Standorte in Bedburg, Bergheim und Elsdorf angekündigt, in die insgesamt 3,2 Milliarden Euro fließen – inklusive einer Kapazitätserweiterung in Frankfurt und Schulungsprogrammen für Künstliche Intelligenz.
Strukturwandel von der Kohle zur KI
Das Rheinische Revier, westlich von Köln, steht durch den Kohleausstieg vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Microsoft-Investitionen stärken die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze. In Bedburg und Bergheim liegen bereits Baugenehmigungen vor; ein Teilbetrieb könnte dort 2028 starten. In Elsdorf wird die Genehmigung noch erwartet. Die drei Standorte sollen sich gegenseitig absichern: Fällt einer aus, springen die anderen ein. Die genaue Funktion des Grevenbroicher Standorts ist noch offen. Bei planmäßigem Verlauf könnte das Rechenzentrum in den frühen 2030er Jahren in Betrieb gehen. Tausende Jobs könnten entstehen: An zwei der bisherigen Standorte rechnet man mit mehreren Hundert direkten Arbeitsplätzen und jeweils rund 2.500 Jobs bei ansiedelnden Firmen. Ähnliche Effekte werden für Grevenbroich erwartet.
Politische Unterstützung und wirtschaftliche Perspektiven
Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) nannte die Investition ein wichtiges Signal für das gesamte Revier: „Der Strukturwandel braucht konkrete Projekte, Investitionen und Zukunftsperspektiven.“ Er hoffe, dass die Aufmerksamkeit neuer Unternehmen auf die Stadt gelenkt werde. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) wertete die Ankündigung als überaus positiv: „Von der Kohle zur KI – dieser Wandel wird konkret.“ Leistungsfähige digitale Infrastruktur sei heute ein entscheidender Standortfaktor. Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger betonte: „Nordrhein-Westfalen ist für Microsoft eine strategisch wichtige Cloud- und KI-Region. Diese Erweiterung bedeutet zusätzliche Investitionen in die lokale Infrastruktur und in die Menschen, die dort leben und arbeiten.“
Kritik von Umweltverbänden
Während die Politik die Pläne begrüßt, äußern Umweltverbände Skepsis. Kilian Vieth-Ditlmann von der NGO Algorithm Watch warnte: „Rechenzentren sind nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist: Wo kommt die Energie für den zusätzlichen Bedarf her, wie effizient und nachhaltig sind die Rechenzentren?“ Er sieht eine Gefahr für die Klimaziele: „So wie es jetzt läuft, gefährdet der Bau von immer mehr Rechenzentren die Klimaziele in Deutschland.“ Vieth-Ditlmann fordert, dass neue Rechenzentren nur genehmigt werden sollten, wenn sie jederzeit mit zusätzlich erzeugten erneuerbaren Energien betrieben werden. Zudem kritisiert er, dass vor allem US-Tech-Konzerne von der Politik profitierten. Microsoft verweist auf nachhaltige Lösungen: Die neuen Rechenzentren nutzten ein Kühlkonzept ohne Wasserverdunstung, sodass nach der Befüllung kaum Kühlwasser nachgefüllt werden müsse.
Weitere Großprojekte in NRW und Brandenburg
Neben Microsoft plant auch der US-Investor Blackstone einen KI-Serverstandort in Lippetal (Westfalen) mit einem Projektvolumen von rund vier Milliarden Euro. Die Fertigstellung wird in den frühen 2030er Jahren erwartet. In Lübbenau (Brandenburg) möchte die Schwarz-Gruppe einen sogar elf Milliarden Euro teuren KI-Serverstandort errichten.



