Der Anteil des über deutsche LNG-Terminals importierten Erdgases ist trotz des Iran-Konflikts weiter gestiegen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) kamen im ersten Halbjahr 2026 rund 12 Prozent der gesamten Gasimporte über die Terminals an Nord- und Ostsee. Im Jahr 2025 lag der Anteil bei etwa 10 Prozent, 2024 bei 8 Prozent.
Importzahlen und LNG-Mengen
Insgesamt importierte Deutschland laut BNetzA rund 551 Terawattstunden (TWh) Gas. Davon entfielen rund 67 TWh auf verflüssigtes Erdgas (LNG), das per Schiff angeliefert wurde. Im ersten Halbjahr 2025 waren es rund 39 TWh LNG bei Gesamtimporten von etwa 491 TWh. Der Iran-Konflikt hatte die LNG-Produktion in Katar und den Transport durch die Straße von Hormus stark beeinträchtigt. Normalerweise werden durch diese Meerenge 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert.
Auswirkungen des Iran-Konflikts auf deutsche Terminals
Die BNetzA betonte jedoch: „Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle, da Deutschland seine LNG-Lieferungen aktuell aus den USA bezieht.“ Trotz der Ausfälle insbesondere katarischer LNG-Mengen habe die weltweite LNG-Verflüssigungsmenge im Mai 2026 bereits wieder das Vorjahresniveau erreicht oder sogar leicht übertroffen. Dennoch bleibt der Konflikt nicht ohne Folgen für die hiesigen Terminals. „Seit der Beeinträchtigung der Schifffahrt im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten gab es im internationalen LNG-Handel tiefgreifende Veränderungen“, erklärte ein Sprecher der Deutschen Regas, die das Rügener LNG-Terminal in Mukran betreibt. „Internationale Gashändler haben für Europa vorgesehene Lieferungen nach Asien umgeleitet.“ Davon sei auch das eigene Terminal betroffen gewesen.
Auslastung und Kapazitätsausbau
Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET) betreibt drei Terminals an der Nordseeküste: zwei in Wilhelmshaven und eines in Brunsbüttel. Über alle drei Terminals lag die Auslastung im ersten Halbjahr bei rund 72 Prozent, verglichen mit rund 63 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Nur sehr wenige Lieferungen seien infolge der Konkurrenz mit dem asiatischen Markt abgesagt worden. Nachdem das deutsche Ostsee-Terminal zeitweise das mit der größten Einspeisung war, verzeichneten im ersten Halbjahr die Nordsee-Terminals jeweils eine höhere Einspeisung. Dies geht aus Daten von Europas Gasinfrastruktur-Betreibern (GIE) hervor, auf die auch die BNetzA verweist.
Ausbaupläne der Betreiber
Über die DET-Terminals kamen im ersten Halbjahr rund 54 TWh, über das Rügener Terminal rund 13 TWh. Beide Betreiber planen den Ausbau ihrer Kapazitäten. Die DET will im September mit einem weiteren schwimmenden Terminal im niedersächsischen Stade ans Netz gehen. Die Deutsche Regas plant, in Mukran zusätzlich zu dem vorhandenen Terminalschiff ein zweites zu stationieren, ließ aber offen, wann. Die Bundesregierung hatte den Aufbau von LNG-Terminals an Nord- und Ostsee nach dem russischen Angriff auf die Ukraine forciert, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Zuvor verfügte Deutschland nicht über solche Terminals und bezog sein Gas nur über Pipelines, vor allem aus Russland. Mittlerweile kommt das meiste Erdgas per Pipeline aus Norwegen.



