In Mecklenburg-Vorpommern sorgt ein ungewöhnlicher Plan für Aufsehen: Ein funktionsfähiges Kraftwerk, das einst mit Erdgas aus der Nord-Stream-Pipeline betrieben wurde, soll abgebaut und an die Ukraine verschenkt werden. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in Lubmin und war bis 2022 in Betrieb, um das aus Russland kommende Gas zu erwärmen. Betreiber ist die Industriekraftwerk Greifswald GmbH, eine Tochtergesellschaft zweier Energiekonzerne.
Hintergründe des Transports
Laut einem Schreiben von Axel Vogt, Bürgermeister von Lubmin und Vertreter des Industriehafens, soll die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK) demontiert und über den Hafen Lubmin abtransportiert werden. Vogt betont die Brisanz des Themas, da der Transport politisch instrumentalisiert werden könne. Er verweist auf eine Feststellung des Bundesgerichtshofs, wonach die Sprengungen der Nord-Stream-Leitungen „höchstwahrscheinlich im Auftrag des Staates Ukraine erfolgten“. Dennoch befürwortet er die Schenkung, da das Kraftwerk in Lubmin nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann.
Reaktionen aus der Politik
Nikolaus Kramer, AfD-Landtagsabgeordneter, kritisiert den Vorgang als „absurd“. Während seine Fraktion den Bau eines neuen Gaskraftwerks in Lubmin fordere, werde eine voll funktionsfähige Anlage verschenkt. „Diese Anlage sollte der Energiesicherheit unseres Landes dienen. Ein Schlag ins Gesicht für unsere Bürger“, so Kramer.
Der Konzern Sefe Securing Energy for Europe, Gesellschafter der Industriekraftwerk Greifswald GmbH, bestätigt die Pläne. Sprecher Christoph Gottstein erklärt, dass der Betrieb der KWK-Anlage nach dem Stopp der russischen Gaslieferungen im September 2022 unrentabel geworden sei. Da keine Wärmeabnehmer gefunden wurden, sei die Anlage 2023 stillgelegt und der Rückbau bis 2026 vereinbart worden. „Alle Optionen der Verwertung wurden geprüft. Da ein Verkauf nicht zustande kam, wird das Kraftwerk im Rahmen der humanitären Hilfe einem ukrainischen Betreiber als Selbstabholer zur Verfügung gestellt“, so Gottstein. Rückbau und Verschrottung wären teurer gewesen.
Lokale Perspektive
Bürgermeister Vogt bemängelt, dass ihm kein Kommunikationskonzept für den Abtransport vorgelegt wurde. Er hält den Standort Lubmin für ein solches Kraftwerk „sehr gut geeignet“ und fordert eine flankierende Strategie, um politische Instrumentalisierung zu vermeiden. Der Hafen Lubmin verfügt über hohe Sicherheitsstandards, die für den Transport erforderlich sind.



