Eine außergewöhnliche Hitzewelle rollt auf Deutschland zu. Meteorologen erwarten für Samstag Temperaturen zwischen 35 und 41 Grad, örtlich sogar bis zu 43 Grad. Damit könnte der bisherige Allzeitrekord von 41,2 Grad aus dem Jahr 2019 gebrochen werden. Die Hitzewelle ist nicht nur extrem, sondern auch ungewöhnlich früh im Jahr: Solche Temperaturen treten sonst erst während der Hundstage von Mitte Juli bis Mitte August auf.
Ursachen der extremen Hitze
Laut DWD-Klimatologin Sabrina Wehring ist diese Hitzewelle auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Eine sogenannte Omega-Wetterlage sorgt dafür, dass ein Hochdruckgebiet von zwei Tiefs blockiert wird und nur langsam abzieht. Der Hochdruck wirkt wie ein Deckel, unter dem sich die Luft stetig erwärmt. Wolkenbildung wird unterdrückt, die Sonneneinstrahlung trifft ungehindert auf den Boden. Zudem fallen die Tage um die Sommersonnenwende, was den Energieeintrag maximiert. Verstärkt wird die Erwärmung durch trockene Böden, die die Hitze zusätzlich potenzieren.
Historische Dimension und Dauer
Sollten die Prognosen eintreffen, handelt es sich um eine historische Hitzewelle – nicht nur wegen der Extremtemperaturen, sondern auch wegen ihrer Dauer. Die extreme Luftmasse bewegt sich von Nordafrika über die Iberische Halbinsel und Frankreich nach Mitteleuropa. In Frankreich wurde bereits ein Juni-Rekord von 44,3 Grad gemessen. Die Werte übertrafen Messreihen mit teils über 100-jähriger Geschichte.
Wehring betont: „Dass wir acht Wochen durchweg Hitze bekommen, kann ich definitiv ausschließen. Es bleibt nicht dauerhaft bis September heiß.“ Das gegenwärtige Hitzehoch werde sich unter Abschwächung in den Osten Europas verlagern.
Abkühlung in Sicht?
Ab Sonntag führt von Westen eine Tiefdrucklage etwas kühlere Luftmassen heran, begleitet von unwetterartigen Gewittern. Die Temperaturen sollen jedoch über 22 Grad bleiben. Der Deutsche Wetterdienst erwartet eine allmähliche Abkühlung, aber keine kühle Witterung.
Rolle des Klimawandels
Die Klimaforschung zeigt, dass der Klimawandel die Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen erhöht. Laut Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sind heiße Luftströmungen aus Südwesteuropa und Nordafrika heute deutlich heißer als in den 1960er bis 1980er Jahren. „Deshalb können sich bereits die ersten Hochsommertage des Jahres zu einer markanten Hitzewelle entwickeln.“
Julian Krüger vom Max-Planck-Institut für Meteorologie hat in einer Studie die fünf intensivsten Hitzewellen der letzten 45 Jahre identifiziert: alle traten in den Jahren 2010, 2014, 2018, 2021 und 2022 auf. Ohne Klimawandel wären diese Ereignisse nicht möglich gewesen.
Zunahme der Hitzetage in Deutschland
Die Zahl der Hitzetage (Temperaturen über 30 Grad) ist in Deutschland stark gestiegen: von durchschnittlich 4 Tagen pro Jahr bis 1990 auf knapp 9 bis 2020 und seit 2010 auf 11 Tage. In Spitzenjahren wie 2018 wurden sogar 20,4 Hitzetage verzeichnet. Die globale Erwärmung beträgt rund 1,5 Grad, in Deutschland liegt der Anstieg bei etwa 2 Grad.
Ausblick auf den Sommer
Der Trend der Langfristmodelle des DWD liegt laut Wehring „eindeutig auf der wärmeren Seite“. Weitere Hitzewellen sind daher nicht auszuschließen, auch wenn es zwischendurch kühlere Phasen gibt. Hoffmann ergänzt: „Mit Blick auf die vergangenen Jahre und die fortschreitende Erderwärmung sind weitere Hitzeperioden im Verlauf des Sommers möglich.“



