Hitzewelle in Deutschland: Rekord von 41,5 Grad, Autobahnschäden und Zugausfälle
Hitzewelle: 41,5 Grad Rekord, Autobahnschäden, Zugausfälle

Am Samstag, dem 27. Juni 2026, wurde in Deutschland ein neuer Hitzerekord aufgestellt: Die Messstation in Drewitz im Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) verzeichnete um 16:30 Uhr eine Temperatur von 41,5 Grad, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Damit wurde der erst am Freitag in Saarbrücken-Burbach gemessene Rekord von 41,3 Grad übertroffen. Auch die Station in Saarbrücken-Burbach meldete am Samstag mit 41,4 Grad einen neuen Höchstwert. Weitere hohe Temperaturen wurden in Andernach (Rheinland-Pfalz) und Genthin (Sachsen-Anhalt) mit jeweils 41,1 Grad gemessen. Die Daten sind vorläufig; eine offizielle Bestätigung wird frühestens nach dem Wochenende erwartet.

Hitzeschäden auf Autobahnen: Mehrere Strecken gesperrt

Die extreme Hitze hat zahlreiche Autobahnabschnitte beschädigt. Nach einer ADAC-Liste ist die Autobahn 2 in Richtung Hannover bei Burg (Sachsen-Anhalt) voraussichtlich bis Sonntagnachmittag gesperrt. Gleiches gilt für den Abschnitt zwischen Ziesar und Wollin in Richtung Potsdam (Brandenburg). In Höhe von Irxleben (Sachsen-Anhalt) kam eine weitere Schadenstelle in Richtung Berlin hinzu, die ebenfalls voll gesperrt wurde. Auf der A93 in Bayern ist zwischen Weiden-Süd und Luhe Wildenau in Richtung Regensburg der linke Fahrstreifen wegen Fahrbahnschäden bis voraussichtlich kommende Woche gesperrt. Auch auf der A9 bei Ingolstadt sind Reparaturen in beide Richtungen nötig. Auf der A10 bleibt zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf in Richtung Frankfurt (Oder) der linke Fahrstreifen gesperrt. Auf der A7 im Süden Hamburgs ist ein Fahrstreifen in Richtung Norden über das Wochenende dicht.

Deutsche Bahn rät von nicht notwendigen Reisen ab

Die Deutsche Bahn empfiehlt aufgrund der Hitze, alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr zu vermeiden. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen“, heißt es in einer Mitteilung. Zudem warnt der DWD vor Gewittern und Starkregen. Gemeinsam mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen und dem Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) rät die Bahn: „Bitte vermeiden Sie heute und morgen alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr.“ In Stuttgart wurde der Zugverkehr am Hauptbahnhof wegen eines Böschungsbrands eingestellt, der zu starker Rauchentwicklung führte. Auch der S-Bahn-Verkehr wurde gestoppt.

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Gesundheitliche Folgen: Kollaps in Dachgeschossen und Seniorenheim-Einsatz

In Köln mussten am Freitag sieben Personen aus Dachgeschosswohnungen von der Feuerwehr gerettet werden. Laut „Bild“ befanden sich alle in einem lebensbedrohlichen Zustand mit einer Körpertemperatur von über 42 Grad. Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet sagte: „Dabei handelte es sich nicht um ältere Menschen, sondern um Personen zwischen 40 und 60 Jahren.“ Wegen der vielen Einsätze wurden auch Kollegen aus dem Freiwilligendienst eingezogen. In Dormagen (Nordrhein-Westfalen) wurden Bewohner eines Seniorenheims wegen Temperaturen bis zu 35 Grad aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt. In der Nacht war ein Bewohner gestorben; ob die Hitze ursächlich war, stand noch nicht fest. Die Stiftung Patientenschutz forderte mehr Investitionen in Pflegeheime. „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, kritisierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Hitzerekord und Wetterausblick

Der DWD-Meteorologe Oliver Reuter sagte der dpa: „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann.“ Die Luft sei nach Angaben des ARD-Wetterkompetenzzentrums zehn bis 15 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der Hitzeschwerpunkt verlagert sich nach Osten; für Sonntag werden in der Lausitz bis zu 42 Grad erwartet. Der DWD warnt vor Gewittern und Unwettern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen, insbesondere im Nordwesten und von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Nordosten. Die Waldbrandgefahr steigt, vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt die höchste Warnstufe.

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Absagen und Verbote: Veranstaltungen gestrichen, Wassersparen appelliert

Zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter der Hamburger Halbmarathon mit 24.000 angemeldeten Läufern. Der Württembergische Fußballverband sagte alle Spiele für das Wochenende ab, der Berliner Fußballverband strich Kinderfußball und nicht relevante Spiele. Schulen gaben hitzefrei oder verkürzten den Unterricht. Der Deutsche Tierschutzbund forderte einen befristeten Stopp von Tiertransporten. In Dresden wurde ein Wasserentnahmeverbot verhängt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief die Bürger zum Wassersparen auf; Hauptgeschäftsführer André Berghegger sagte: „Wenn das nicht funktioniert, müssen die Behörden vor Ort auch Verbote aussprechen.“

Kritik an der Bundesregierung: Hausärzte und Umweltbundesamt fordern Maßnahmen

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warf der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. „Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. Das Umweltbundesamt forderte Hitzeaktionspläne für Städte. Präsident Dirk Messner betonte: „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken.“