EU-Agrarreform: Biolebensmittel könnten bald teurer werden
EU-Agrarreform: Biolebensmittel bald teurer

Bis zu 700 Millionen Euro zusätzlich müssen Bund und Länder nach Berechnungen von Fachleuten bald aufbringen, um die Biolandwirtschaft auf dem heutigen Niveau zu fördern. Diese Mehrkosten könnten sich direkt an der Supermarktkasse bemerkbar machen und zu höheren Preisen für Biolebensmittel führen. Hintergrund ist eine anstehende Reform der EU-Agrarpolitik, die die Finanzierung des Ökolandbaus neu regelt.

Höhere Kosten für die öffentliche Hand

Die genannten 700 Millionen Euro sind eine Schätzung, die auf Modellrechnungen basiert. Sie ergeben sich aus der Differenz zwischen den bisherigen EU-Förderungen und den künftig notwendigen nationalen Mitteln, um die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft sowie die Beibehaltung bestehender Bio-Flächen zu unterstützen. Ohne diese zusätzlichen Gelder droht vielen Biobauern das Aus, warnte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. „Für viele Biobauern könnte es eng werden“, sagte er dem SPIEGEL.

Auswirkungen auf Verbraucher

Die höheren Förderkosten werden voraussichtlich an die Verbraucher weitergegeben. Experten rechnen damit, dass Biolebensmittel im Schnitt um etwa fünf bis zehn Prozent teurer werden könnten. Betroffen wären vor allem Produkte wie Milch, Eier, Fleisch und Obst, die bereits jetzt höhere Preise als konventionelle Ware haben. Ein Sprecher des Deutschen Bauernverbands betonte: „Die Politik muss sicherstellen, dass die Mehrkosten nicht allein auf den Schultern der Landwirte und Verbraucher lasten.“

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Hintergrund der EU-Agrarreform

Die EU-Kommission plant, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) grundlegend zu überarbeiten. Ein zentraler Punkt ist die Kürzung der Direktzahlungen für konventionelle Betriebe zugunsten von mehr Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Für den Ökolandbau bedeutet das, dass die bisherigen EU-Mittel nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Stattdessen sollen die Mitgliedstaaten einen größeren Teil der Finanzierung selbst tragen. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche auf 30 Prozent zu erhöhen – derzeit liegt er bei rund elf Prozent.

Kritik an der Reform

Umweltverbände begrüßen grundsätzlich die stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeit, kritisieren aber die unzureichende finanzielle Ausstattung. „Die Bundesregierung muss jetzt handeln und die notwendigen Mittel im Haushalt bereitstellen“, forderte eine Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Andernfalls sei das 30-Prozent-Ziel nicht erreichbar. Auch die Opposition im Bundestag übt scharfe Kritik: Die Ampel-Koalition lasse die Bauern im Stich und gefährde die Versorgungssicherheit mit Biolebensmitteln.

Zukunft der Biolandwirtschaft

Trotz der drohenden Preissteigerungen sehen viele Experten langfristig Chancen für die Branche. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt kontinuierlich, und immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Ernährung. Allerdings warnen Ökonomen davor, dass die höheren Preise gerade einkommensschwächere Haushalte treffen könnten. „Es ist wichtig, dass der Staat sozialverträgliche Lösungen findet, etwa durch gezielte Zuschüsse für bedürftige Familien“, so ein Agrarökonom der Universität Göttingen.

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