Der Ruf der deutschen Wirtschaft nach Unabhängigkeit von US-Tech-Giganten wird immer lauter. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalbranchenverbands Bitkom sehen 85 Prozent der Verantwortlichen in hiesigen Unternehmen Deutschland als zu abhängig von US-Cloud-Anbietern. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 78 Prozent.
Studie zeigt tiefe Abhängigkeit
Aus dem aktuellen „Cloud Report 2026“ geht hervor, wie tief die Abhängigkeit tatsächlich verankert ist. 71 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen derzeit Cloud-Angebote aus den USA, obwohl nur 8 Prozent diese Anbieter bevorzugen würden. Im Gegensatz dazu würden 91 Prozent der Unternehmen Cloud-Provider aus Deutschland vorziehen, aber nur 53 Prozent haben einen solchen im Einsatz. Zwei Drittel (64 Prozent) fühlen sich allein durch die Politik der US-Regierung gezwungen, ihre Cloud-Strategie zu überdenken.
Klaffende Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Ein Grundproblem sehen die Verantwortlichen in der mangelnden Schlagkraft heimischer Cloud-Anbieter. 43 Prozent der Firmen klagen, dass es für ihre technologischen Anforderungen derzeit keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den US-Giganten gebe. Vor diesem Hintergrund fordern 80 Prozent vehement den Aufbau deutscher oder europäischer Hyperscaler, die mit den globalen Marktführern konkurrieren können.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betonte: „Die Cloud ist eine zentrale Infrastruktur für die deutsche Wirtschaft. Angesichts der großen geopolitischen Veränderungen rücken jetzt Fragen der Souveränität und des Abbaus einseitiger Abhängigkeiten in den Fokus. Deutschland muss sich bei der Cloud mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von KI und Daten aus einseitigen Abhängigkeiten lösen.“
Souveränität um fast jeden Preis?
Wie groß der Leidensdruck in den Chefetagen ist, zeigt die wachsende Bereitschaft zu schmerzhaften Kompromissen. Mittlerweile wären 37 Prozent der Unternehmen bereit, handfeste Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür einen Cloud-Dienst nutzen könnten, der ihre Daten strikt in Deutschland und geschützt vor ausländischem Zugriff verarbeitet. 25 Prozent würden längere Wartezeiten bei neuen Funktionen akzeptieren. Beim Geld schwindet jedoch die Kompromissbereitschaft: Nur 12 Prozent würden einen um 10 bis 20 Prozent höheren Preis bezahlen.
Für die repräsentative Studie wurden im April und Mai 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Bitkom befragt.
Beim Cloud-Computing können Computer-Dienste wie Speicherplatz, Programme oder Rechenleistung über das Internet genutzt werden, ohne dass die erforderliche Hardware oder Software selbst besessen oder betrieben werden muss. Stattdessen stellt ein Anbieter diese Dienste in großen Rechenzentren bereit, und sie können bei Bedarf über das Internet abgerufen und bezahlt werden.



