Biogasanlage Torgelow: Investition oder Abschaltung? DAH-Gruppe sucht Planungssicherheit
Biogasanlage Torgelow: Investition oder Abschaltung?

Biogasanlage Torgelow: Investition oder Abschaltung? DAH-Gruppe sucht Planungssicherheit

In Torgelow, einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, steht die Deutsche Agrar-Holding (DAH) vor einer entscheidenden Weichenstellung. Das Energieunternehmen mit Hauptsitz in Oranienburg, Brandenburg, betreibt am westlichen Stadtrand von Torgelow eine Biogasanlage, die jährlich Wärme für rund 3900 Haushalte produziert. Doch nun droht die Anlage in nicht allzu ferner Zukunft heruntergefahren zu werden, wenn nicht bald klare Signale aus der Politik kommen.

Ungewisse Zukunft durch neues Gesetz

Frank Brühning, Sprecher der DAH-Gruppe, erklärt die aktuelle Lage: Aufgrund eines neuen Gesetzesvorhabens fehle der Gesellschaft die Planungssicherheit. Es sei unklar, ob Biomethananlagen wie die in Torgelow vom Gasnetz getrennt werden könnten und wie lange die Frist dafür sei. Diese Fragen beeinflussen Investitionen in den Standort Torgelow sowie 27 weitere DAH-Niederlassungen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. „Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Wie soll das gehen, wenn durch mögliche Abschaltung zahlreicher Biogasanlagen grüne Moleküle verloren gehen?“, fragt Brühning in Richtung Politik.

Tag der offenen Tür zur Aufklärung

Um diese und andere Themen zu diskutieren, lädt die DAH am Sonnabend, dem 18. April, zu einem Tag der offenen Tür ein. Landespolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern und interessierte Bürger sind eingeladen, um die Anlage zu besichtigen und mögliche Zukunftspläne kennenzulernen. Besucher können dabei sogar ins Innere der Reaktoren gucken und sehen, wie aus einer grünlich-schleimigen Masse Biogas entsteht. „Wir wollen den Leuten zeigen, was wir hier täglich produzieren und wie das alles abläuft“, so Brühning.

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Produktion und Investitionspläne

Seit 2017 verarbeitet die Torgelower Anlage ausschließlich Pflanzenteile wie Gras, Luzerne und Mais zu Biogas. Täglich werden knapp 170 Tonnen Pflanzenreste von sechs bis sieben Lkw angeliefert, die aus 15 Landwirtschaftsbetrieben in der Umgebung stammen. Sechs Mitarbeiter sorgen rund um die Uhr für einen sicheren Ablauf. Jährlich werden 11,6 Millionen Kubikmeter Biogas hergestellt, was einer CO2-Ersparnis von 37.000 Tonnen entspricht.

Nun plant die DAH eine Investition von 5 Millionen Euro, um die Anlage umzurüsten und künftig auch tierische Erzeugnisse wie Hühnerkot und Rindergülle in Energie umzuwandeln. Das Genehmigungsverfahren läuft, und seitens der Behörden wird in diesem Jahr mit einer Genehmigung gerechnet. Doch ohne Planungssicherheit sei diese Investition nicht umsetzbar, betont Brühning.

Wichtige Rolle im Energiesystem

Maik Logall, Betriebsleiter einer Biogasanlage der DAH-Gruppe, unterstreicht die Bedeutung von Biomethangas im System erneuerbarer Energien: „Wenn keine Sonne scheint, produzieren Fotovoltaikanlagen nichts, wenn kein Wind weht, produzieren Windkraftanlagen nichts. Nur wir können dauerhafte Produktion garantieren.“ Zusammen mit Wind- und Sonnenkraft bilde Biomethangas einen unverzichtbaren Baustein für die Energieversorgung.

Frank Brühning fügt hinzu, dass Betriebe wie der in Torgelow maßgeblich dazu beitragen, Deutschland eine gewisse Unabhängigkeit von der weltpolitischen Lage zu sichern. „Unser Gas muss nicht erst über die Straße von Hormus“, sagte er mit Blick auf aktuelle Blockaden.

Hintergrund und Ausblick

Hintergrund der Sorgen ist die Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes. Die Branche möchte angesichts steigender Energiepreise investieren, doch die unklare Gesetzeslage und ausstehende Entscheidungen der Bundesregierung sorgen für ein Investitions-Vakuum. Der Bundestag wird voraussichtlich im Sommer entscheiden, ob Biomethananlagen mit einer Frist von zehn Jahren vom Netz getrennt werden können. „Wir brauchen Sicherheit für 20 Jahre“, erläutert Brühning, da sich Anlagen wie die Torgelower erst nach 15 bis 20 Jahren amortisieren.

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Am Tag der offenen Tür können Besucher nicht nur die Anlage besichtigen, sondern auch einen Zehn-Liter-Eimer voller Gärrest als Dünger mitnehmen. Normalerweise werden diese Rückstände auf die Felder zurückgebracht, um den Kreislauf zu schließen. Die DAH betreibt neben der Anlage in Torgelow weitere Standorte in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und bewirtschaftet insgesamt 20.000 Hektar Ackerland.