Belgien stoppt Atomausstieg: Verhandlungen statt Rückbau
Belgien stoppt Atomausstieg: Verhandlungen statt Rückbau

Brüssel – Ein Paukenschlag in der europäischen Klima- und Umweltpolitik: Belgien stoppt den Rückbau aller Atomreaktoren im Land. Statt Abrissbagger soll es jetzt Verhandlungen geben. Der belgische Staat spricht mit dem bisherigen Betreiber „Engie“ über eine mögliche Übernahme der Meiler.

Regierungschef verkündet Einigung

Regierungschef Bart De Wever (55) verkündete am Donnerstagmorgen auf X: „Es ist eine Einigung mit Engie erzielt worden, um die Bedingungen festzulegen und die notwendigen Studien für eine vollständige Übernahme des belgischen Kernkraftwerks zu starten. Bis dahin werden alle Stilllegungsaktivitäten sofort eingestellt.“ Auch in einer gemeinsamen Erklärung bestätigten beide Seiten den Schritt. Bereits im vergangenen Jahr hatte das belgische Parlament den Atomausstieg rückgängig gemacht. Der Stopp aller Rückbauarbeiten solle „sicherstellen, dass dem belgischen Staat alle Optionen offenstehen“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter.

De Wever verteidigt Kurswechsel

Regierungschef De Wever gehört der Partei „Neue Flämische Allianz“ an und verteidigt den Kurswechsel. „Diese Regierung wählt sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie. Mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung“, schreibt er auf X.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Noch zwei Reaktoren am Netz

Derzeit sind in Belgien noch zwei Reaktoren am Netz. Einer steht im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze. Der andere läuft im Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich, rund 50 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Eigentlich sollten beide Reaktoren im vergangenen Jahr vom Netz gehen. Doch infolge der Energiekrise 2022 wurde ihre Laufzeit bereits bis 2035 verlängert.

Stillgelegte Reaktoren

Fünf weitere Reaktoren sind schon stillgelegt. Drei stehen in der Anlage Doel, zwei in Tihange. Zu ihnen gehört auch der umstrittene Reaktor Tihange 2. Er wurde 2023 abgeschaltet. Deutsche Politiker und Atomkraftgegner hatten sich jahrelang für das Aus eingesetzt. 2012 hatten Experten tausende kleine Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt. Alle Reaktoren stammen aus den 1970er Jahren.

Der Schritt Belgiens hat weitreichende Folgen für die europäische Energiepolitik und die Beziehungen zu Nachbarländern wie Deutschland, das den Atomausstieg bereits vollzogen hat. Die Zukunft der belgischen Atomkraft bleibt vorerst offen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration