Stromnetz-Engpässe: Ökostromanbieter kassieren Millionen für abgeschaltete Anlagen
Die Energiewende in Deutschland kommt zwar voran, doch die Infrastruktur hält nicht Schritt. Im Jahr 2025 mussten Erzeuger von Wind- und Solarstrom erneut Anlagen zeitweise abschalten, weil das Stromnetz überlastet war. Dafür erhielten sie eine Entschädigungssumme von knapp 435 Millionen Euro. Diese Zahl geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor.
Rückläufiger Trend, aber weiterhin hohe Summen
Im Vergleich zum Vorjahr sank die Entschädigungssumme um etwa 120 Millionen Euro. Dieser Rückgang setzt sich seit Jahren fort und deutet auf langsame Fortschritte im Netzausbau hin. Dennoch bleibt die Summe beträchtlich und belastet letztlich die Stromverbraucher, die diese Kosten über ihre Rechnungen mittragen müssen.
Die Verteilung der Entschädigungen fällt regional sehr unterschiedlich aus. Bayern führt die Liste mit 165 Millionen Euro an, was vor allem auf den rasanten Ausbau von Solaranlagen bei gleichzeitig schleppendem Leitungsausbau zurückzuführen ist. Es folgen die traditionellen Windkraftländer Niedersachsen mit 120 Millionen Euro und Schleswig-Holstein mit 54 Millionen Euro. Dagegen erhielten Betreiber in Hessen, Bremen, Saarland, Berlin und Hamburg kaum oder gar keine Entschädigungen.
Netzengpässe als Hauptproblem
Gerade an windreichen oder sonnigen Tagen reichen die vorhandenen Leitungskapazitäten oft nicht aus, um den produzierten Ökostrom zu den Verbrauchern zu transportieren. Die Netzbetreiber sind gezwungen, bei solchen Engpässen regional Erzeuger abzuregeln. Wie häufig und in welcher Höhe Entschädigungen fällig werden, hängt somit stark vom Wetter und vom jeweiligen Ausbaustand des Stromnetzes ab. Die konkrete Entschädigungshöhe orientiert sich im Einzelfall am aktuellen Marktpreis für Strom.
Politische Kritik und Forderungen
Dietmar Bartsch, Abgeordneter der Linken, sprach angesichts der Zahlen von einem „Systemversagen“ und forderte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Handeln auf. „Die Bundesregierung verantwortet die höchsten Strompreise in Europa – gleichzeitig wird Strom weggeschmissen“, kritisierte er. „Diese Absurdität auf dem Rücken der Verbraucher muss enden.“
Bartsch forderte einen grundlegenden Neustart in der Energiepolitik: „Statt kleiner Korrekturen und unzureichender Kostendämpfer braucht es einen Neustart: Netzausbau beschleunigen – Preise runter.“ Sein Appell lautete: „Ein Land, das bei den Preisen an der Weltspitze steht, muss jede Kilowattstunde ins Netz bringen.“
Hintergrund ist der weiterhin hohe Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, der in Deutschland mittlerweile deutlich über 50 Prozent liegt. Ohne einen beschleunigten Ausbau der Stromnetze werden jedoch auch in Zukunft wertvolle Ökostrom-Mengen ungenutzt bleiben und hohe Entschädigungskosten verursachen.



