Die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat einen 13-Punkte-Aktionsplan vorgelegt, um das Bauen in Deutschland günstiger zu machen. Der Plan liegt dieser Redaktion vorab vor und adressiert die anhaltende Wohnungskrise: 2025 wurden nur 206.600 Wohneinheiten fertiggestellt – ein Rückgang um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012.
Hohe Baukosten als Hauptproblem
Laut dem Aktionsplan des Bauministeriums sind hohe Baukosten einer der Hauptgründe für die geringe Bautätigkeit. Es gehe nicht mehr nur darum, Bauen attraktiver zu machen, sondern darum, „dass Bauprojekte überhaupt noch realisiert werden“. Der Staat könne die Herausforderungen nicht alleine lösen, aber Impulse setzen. Neben dem Bund werden Länder, Kommunen, Bauwirtschaft, Immobilienwirtschaft, Finanzierungsakteure und Planende in die Pflicht genommen.
Digitalisierung als zentraler Hebel
Hubertz setzt auf Digitalisierung der Bauprozesse. Das Tool „Building Information Modeling“ (BIM) soll konsequenter eingesetzt werden. Diese digitale Arbeitsmethode nutzt virtuelle 3D-Modelle, um Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden effizienter und transparenter zu gestalten. Für Hochbauprojekte des Bundes ist BIM bereits verbindlich. Zudem sollen Genehmigungsverfahren effizienter werden: Der digitale Bauantrag soll bis 2028 in den Ländern verbindlich werden, Papieranträge nur noch in Härtefällen erlaubt sein.
Bonussystem für serielles Bauen
Ein weiterer Hebel ist die Förderung von seriellem und modularem Bauen. In der Neubauförderung soll ein Bonussystem für verkürzte Bauzeiten und reduzierte Baukosten durch diese Bauweisen entwickelt werden. Der neue Gebäudetyp E erlaubt Abweichungen von hohen Standards, um einfacher zu bauen. Insgesamt will Hubertz die Neubauförderung in einem zentralen Förderprogramm bündeln, das ab 2027 starten soll. Die Programme sollen übersichtlicher und einfacher zugänglich werden. „Die Möglichkeit des Aufbaus von Wohneigentum für Familien ist dabei ein zentrales Kriterium“, so Hubertz.
Reaktionen aus der Bauindustrie
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, lobte die Ministerin für die „absolut richtigen Themen“. Der Plan sei „teils ambitioniert, teils bekannt, teils auch längst überfällig“. Der Fokus auf Digitalisierung, serielles Bauen und Neuausrichtung von Finanzierungsinstrumenten klinge vielversprechend. Nun brauche es aber zügig einen Umsetzungsplan, „damit aus Ankündigung Baurealität wird“. Enttäuscht zeigte sich Müller über den Gebäudetyp E, der immer weiter nach hinten geschoben werde. Eigentlich sollte noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein Entwurf vorgelegt werden, doch bisher liegt keiner offiziell vor.



