WM-Aufräumen der japanischen Fans: Weltweit gefeiert, daheim kritisiert
Die Welt feiert sie, doch ausgerechnet aus der Heimat kommt Kritik. Die japanischen Fans begeistern auch bei dieser Weltmeisterschaft wieder mit dem Aufräumen ihres Blocks nach Spielen. So geschehen beim 2:2 gegen die Niederlande in Dallas. Mit blauen Mülltüten liefen die „Samurai Blue“-Anhänger durch die Reihen und sammelten allen Unrat auf.
Die Bilder verbreiteten sich rasant im Internet und wurden global gefeiert. Doch es gibt auch eine Gruppe, die sich von der Begeisterung nicht anstecken lässt: japanische Frauen. Im Internet machen sie ihrem Ärger Luft. Im Zentrum der Kritik steht der Vorwurf, die – zumeist männlichen – Fans würden vor den TV-Kameras im Ausland aufräumen, um einen guten Eindruck zu machen. Aber sobald sie wieder in Japan sind, packen sie im Haushalt nicht mehr mit an.
„Please do it at home“ – Frauen fordern Männer zum Aufräumen im Haushalt auf
Der Slogan, der in vielen Posts auftaucht, lautet „Please do it at home“ („Bitte mach das auch zu Hause“). Er ist einer Plakat-Kampagne aus der U-Bahn in Tokio entlehnt, auf der Passagiere aufgefordert werden, gewisse Aktivitäten wie Make-up-Auftragen, lautes Musikhören oder Telefonieren doch bitte in den eigenen vier Wänden zu erledigen. Frauen fordern Männer nun auf, auch im Haushalt mitzuhelfen.
Zu den aktuellen „Please do it at home“-Posts werden Statistiken bemüht, nach denen japanische Männer im Vergleich mit anderen Ländern im eigenen Haushalt eher wenig Hand anlegen. Eine Studie der japanischen Regierung aus dem Jahr 2021 belegt, dass Männer sich im Schnitt 51 Minuten am Tag mit Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflegearbeit beschäftigen, während es bei Frauen drei Stunden und 24 Minuten sind. Bei Paaren mit Kindern ist der Unterschied noch gewaltiger: Väter helfen durchschnittlich 114 Minuten mit, während Mütter sieben Stunden und 28 Minuten beschäftigt sind (Quelle: Statistics Bureau of Japan, Survey on Time Use and Leisure Activities 2021).
Kritik auch von anderer Seite: Müll in der Heimat
Es gibt aber auch Kritik an den Aufräumarbeiten, die aus einer anderen Richtung kommt. So fragen viele Japaner öffentlich, warum die japanischen Fanblöcke bei internationalen Fußballturnieren schon wenige Minuten nach Abpfiff blitzblank sind, während in der Heimat nach Großveranstaltungen oft noch wochenlang der Müll herumliegt.



