EU-Behörde empfiehlt weitgehendes PFAS-Verbot mit Ausnahmen für Ewigkeitschemikalien
EU-Behörde empfiehlt PFAS-Verbot mit Ausnahmen

EU-Behörde empfiehlt weitgehendes PFAS-Verbot mit Ausnahmen für Ewigkeitschemikalien

Die EU-Chemiebehörde ECHA hat eine wegweisende Empfehlung für ein umfassendes Verbot sogenannter Ewigkeitschemikalien ausgesprochen. Diese per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, kurz PFAS, sollen aufgrund ihrer gravierenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken weitgehend aus dem Verkehr gezogen werden. Allerdings sieht die Behörde auch eine Reihe von Ausnahmen vor, insbesondere für Bereiche, in denen es derzeit noch keine Alternativen gibt.

Gefährliche Alltagschemikalien mit weitreichenden Folgen

PFAS-Chemikalien sind synthetisch hergestellte Substanzen, die aufgrund ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Alltagsprodukten Verwendung finden. Sie kommen in beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays und Einwegverpackungen zum Einsatz, aber auch in bestimmten Medizinprodukten. Das Problem: Diese Chemikalien sind biologisch nicht abbaubar und reichern sich sowohl in der Natur als auch im menschlichen Körper an, weshalb sie den Beinamen Ewigkeitschemikalien tragen.

Die wissenschaftliche Studienlage zu den Gesundheitsrisiken ist eindeutig. Forschungen deuten darauf hin, dass bestimmte PFAS-Verbindungen die Leber schädigen, das Immunsystem beeinträchtigen, die Wirksamkeit von Impfungen verringern, die Fruchtbarkeit reduzieren und sogar Krebs erzeugen können. "Die derzeit geltenden Regeln reichen nicht aus", betont die ECHA in ihrer offiziellen Mitteilung aus Helsinki.

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Wirtschaftliche Bedenken und praktische Herausforderungen

Während der zuständige ECHA-Ausschuss unter Vorsitz von Roberto Scazzola ein vollständiges Verbot als effektivste Maßnahme zum Schutz von Umwelt und Gesundheit ansieht, gibt es erhebliche wirtschaftliche Bedenken. Die Chemieindustrie befürchtet Umsatzeinbußen in zweistelliger Milliardenhöhe allein innerhalb der Europäischen Union. Zusätzlich könnten auf die Hersteller immense Kosten für die Sanierung von Umweltschäden durch PFAS-Verschmutzungen zukommen.

Ein separates ECHA-Gremium, das die wirtschaftlichen Auswirkungen analysiert hat, warnt vor praktischen Konsequenzen für Anwendungsbereiche, in denen es nachweislich noch keine Alternativen zu PFAS gibt. Die genaue Ausgestaltung dieser Ausnahmen bleibt jedoch vorerst unklar. Die wirtschaftliche Einschätzung gilt als vorläufig und muss in den kommenden Monaten formalisiert werden, bevor die EU-Kommission einen konkreten Gesetzesvorschlag unterbreiten kann.

Konsultationsphase und politischer Prozess

Mit der Veröffentlichung der Risikoanalysen beginnt eine 60-tägige Konsultationsphase, die bis zum 25. Mai läuft. In diesem Zeitraum können Industrievertreter, Nichtregierungsorganisationen, Forscher und die breite Öffentlichkeit Stellung zu den vorläufigen Einschätzungen der ECHA beziehen. Diese Konsultation ist ein wichtiger Schritt im regulatorischen Prozess, der von fünf EU-Ländern – darunter Deutschland – angestoßen wurde.

Die EU-Kommission arbeitet bereits seit Jahren an einem umfassenden PFAS-Verbot, nachdem sich gezeigt hat, dass frühere Teilverbote einzelner Untergruppen lediglich zur Substitution durch ähnliche PFAS-Chemikalien führten. Die aktuellen Empfehlungen der ECHA dienen als wissenschaftliche Grundlage für die kommenden politischen Entscheidungen auf EU-Ebene.

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