Der Krypto-Riese Binance steht in Europa vor dem Aus. Nachdem die Übergangsfrist der EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) am 1. Juli 2026 endet, benötigt die Börse eine Zulassung, um weiterhin Kunden in der Europäischen Union bedienen zu dürfen. Doch genau diese fehlt. Binance hat seinen Antrag auf eine MiCA-Lizenz in Griechenland zurückgezogen – eigenen Angaben zufolge aufgrund von Verzögerungen im Zeitplan. Doch einer Exklusiv-Recherche von Reuters zufolge steckt mehr dahinter: Der Antrag sei gescheitert, weil europäische Aufseher Vorbehalte hatten, unter anderem wegen früherer Geldwäsche-Strafen, der internationalen Unternehmensstruktur und der Compliance-Historie.
Binance-Antrag in Griechenland: Rückzug oder Scheitern?
Das Unternehmen hatte seine europäische Lizenzstrategie auf Griechenland ausgerichtet. Monatelang habe man „konstruktiv“ mit der griechischen Aufsicht zusammengearbeitet, so Binance. Man sei davon ausgegangen, dass der Antrag im Laufe des Prozesses von Griechenland abgenommen worden sei und es sogar bis zur EU-Prüfstelle geschafft habe. In einer Mitteilung an europäische Nutzer erklärte Binance den Rückzug mit Problemen im Zeitplan: „Wir haben diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung bezüglich des Ablaufs und Zeitplans in Griechenland getroffen. Das Interesse unserer Nutzer steht für uns dabei an erster Stelle.“ Das Unternehmen plant, ein weiteres Update bis zum 30. Juni zu geben und „Störungen minimieren“ zu wollen.
Doch Gillian Lynch, die Europa-Chefin von Binance, räumte gegenüber Reuters ein, dass der Antrag gescheitert sei – die Gründe dafür kenne sie nicht. Von einem freiwilligen Rückzug kann also keine Rede sein. Auch in anderen EU-Staaten stieß Binance offenbar auf Widerstand: Laut Reuters mit Verweis auf anonyme Insider gab es Probleme mit Anträgen in Lettland und Irland. Binance selbst bestreitet dies und erklärt, den Antrag nur in Griechenland eingereicht zu haben.
EU-Finanzaufsicht ESMA fordert geordneten Rückzug nicht lizenzierter Anbieter
Die europäische Finanzaufsicht ESMA hat kurz vor Fristende klargemacht, was Kryptoanbietern ohne MiCA-Erlaubnis droht: Sie müssen ihre Aktivitäten in der EU geordnet herunterfahren. Dazu zählt, keine neuen EU-Kunden mehr aufzunehmen, keine neuen Kundenbeziehungen zu eröffnen und Werbung einzustellen. Bestehende Dienstleistungen sollen nur noch so weit laufen, wie es für den Verkauf oder die Übertragung von Kryptowerten, die Umschichtung von Vermögenswerten oder das Schließen von Positionen notwendig ist. Auch die Verwahrung von Kryptowerten soll nur noch solange möglich sein, bis der geordnete Ausstieg vollzogen ist.
Für Binance-Nutzer in Deutschland und Europa könnte dies bedeuten, dass sie keine neuen Geschäfte mehr über die Plattform abschließen können. Denkbar wären auch Einschränkungen bei Einzahlungen, Handel, Werbung oder Neukundenregistrierungen. Binance selbst hat bislang keine detaillierte Liste möglicher Einschränkungen veröffentlicht.
Binance beruhigt Nutzer: Gelder sicher, aber Unsicherheit bleibt
In offiziellen Mitteilungen betont Binance, dass die Gelder der Nutzer sicher und zugänglich blieben. Das Unternehmen kontaktiere alle Kunden aus der EU direkt und erkläre, wann und wie sie handeln müssten und welche Fristen dabei gelten. Nutzer werden aufgefordert, E-Mails und In-App-Mitteilungen genau zu prüfen und nur offizielle Binance-Kanäle zu verwenden. Dennoch bleibt die Lage für deutsche Kunden unsicher: Noch ist nicht klar, wie stark Binance seine Dienste in Deutschland und Europa tatsächlich einschränken muss. Die ESMA rät Kunden grundsätzlich, den Regulierungsstatus ihres Anbieters zu prüfen und gegebenenfalls eine Übertragung zu einem lizenzierten Anbieter oder in eine eigene Wallet in Betracht zu ziehen.
Die Zeit für Binance rennt: Ohne Zulassung droht ab Juli der faktische Marktaustritt. Ob das Unternehmen in einem anderen EU-Mitgliedstaat doch noch eine Lizenz erhält, bleibt abzuwarten.



