Scalable Capital hat sein Gebührenmodell angepasst. Ab dem 1. September 2026 kostet eine Order über den Handelsplatz Xetra pauschal 1,99 Euro – bisher waren es rund 5,49 Euro. Die Senkung ist deutlich, hat aber einen Haken: Gleichzeitig verteuert der Münchner Neobroker den Handel über Gettex. Dort steigt die Gebühr von bislang 0,99 Euro auf ebenfalls 1,99 Euro pro Order.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Die 0,99-Euro-Order bleibt bestehen – vor allem beim Handel über die European Investor Exchange (EIX). Im Free-Modell kostet ein normaler Trade dort weiterhin 0,99 Euro. Im Prime+-Modell sind Orders unter 250 Euro ebenfalls für 0,99 Euro zu haben; ab 250 Euro entfällt die Ordergebühr über EIX komplett.
Die größte Änderung betrifft Xetra: Bisher zahlten Anleger 3,99 Euro pro Order plus eine Handelsplatzgebühr von 0,01 Prozent des Ordervolumens, mindestens 1,50 Euro. Das ergab eine Gesamtgebühr von etwa 5,49 Euro. Ab September fällt die Zusatzgebühr weg, sodass nur noch 1,99 Euro fällig werden. Für Anleger, die gezielt über Xetra handeln, bedeutet das eine deutliche Entlastung.
Anders sieht es bei Gettex aus: Im Free-Modell kosteten viele Orders dort bislang 0,99 Euro, im Prime+-Modell waren Orders ab 250 Euro sogar gebührenfrei. Ab dem 1. September 2026 gilt auch hier die pauschale Gebühr von 1,99 Euro pro Order. Prime+-Kunden verlieren damit einen bisherigen Vorteil.
Vergleich mit Trade Republic
Erst in der vergangenen Woche hatte Konkurrent Trade Republic sein Handelsmodell erweitert. Neben der 1-Euro-Order bietet der Berliner Neobroker nun auch eine 2-Euro-Order an. Bei der 1-Euro-Order werden Orders automatisch zum besten verfügbaren Preis ausgeführt. Wer gezielt einen bestimmten Handelsplatz wählen möchte, zahlt zwei Euro pro Order. Nach der Anpassung von Scalable Capital kosten Xetra-Orders bei dem Münchner Neobroker künftig also nahezu genauso viel wie die Direktpreis-Order bei Trade Republic. Trotz ähnlicher Preise unterscheiden sich die Konzepte: Trade Republic hat eine zusätzliche Orderart eingeführt, Scalable Capital verändert die Gebühren für einzelne Handelsplätze.
Warum es verschiedene Handelsplätze gibt
Viele Anleger sehen in ihrer Broker-App nur den Kauf- oder Verkaufsknopf. Tatsächlich muss jede Order an einem Handelsplatz ausgeführt werden – etwa Xetra oder Gettex. Ein Handelsplatz bringt Käufer und Verkäufer zusammen und ermittelt den Preis. Für Anleger ist wichtig, dass nicht nur die Ordergebühr zählt: Je nach Handelsplatz kann sich der Kurs leicht unterscheiden. Bei sehr liquiden Aktien sind die Unterschiede oft gering, bei weniger gehandelten Wertpapieren können sie größer ausfallen. Eine niedrige Ordergebühr ist daher nicht automatisch die günstigste Wahl.
Scalable baut Derivatehandel aus
Parallel zur Gebührenänderung erweitert Scalable Capital sein Angebot für erfahrenere Anleger. Künftig sollen mehr als 1,8 Millionen Derivate von sieben Emittenten handelbar sein. Neu hinzu kommen Morgan Stanley, Société Générale und Vontobel – zu BNP Paribas, Goldman Sachs, HSBC und UniCredit. Derivate sind Finanzprodukte, deren Wert sich von einem anderen Wert ableitet, etwa einer Aktie oder einem Index. Mit ihnen können Anleger auf steigende oder fallende Kurse setzen. Für Einsteiger sind Derivate eher ungeeignet, da sie schwer zu verstehen sind und hohe Risiken bergen. Viele Produkte arbeiten mit Hebeln, die Kursbewegungen verstärken – Gewinne können höher ausfallen, Verluste aber ebenfalls.
Hintergrund: Warum die Neobroker ihre Modelle umbauen
Die neuen Gebührenstrukturen kommen nicht zufällig. Die Fintechs reagieren auf eine neue regulatorische Situation. Seit dem 1. Juli 2026 ist in Europa das sogenannte „Payment for Order Flow“ verboten. Dabei handelt es sich um Zahlungen, die Broker von Handelsplätzen erhalten, wenn sie Kundenorders dorthin weiterleiten. Die EU sah darin einen Interessenkonflikt: Ein Broker könnte den Handelsplatz bevorzugen, der ihm die höchste Vergütung zahlt, statt den mit dem besten Kurs für den Kunden. Nun müssen Neobroker andere Einnahmequellen finden, etwa indem sie stärker aktive Trader ansprechen.
Für langfristige ETF-Sparer ändert sich zunächst wenig. Sparpläne bleiben nach Angaben von Scalable Capital grundsätzlich gebührenfrei. Wer monatlich automatisch in einen ETF investiert, ist von der neuen 1,99-Euro-Order nicht direkt betroffen. Wichtiger ist die Änderung für Kunden, die einzelne Aktien oder ETFs aktiv kaufen und verkaufen. Wer bisher über Xetra gehandelt hat, zahlt künftig deutlich weniger. Wer Gettex genutzt hat, muss genauer hinschauen: Dort steigt die Gebühr auf 1,99 Euro – besonders Prime+-Kunden verlieren einen Vorteil.



