Mythos Rentenplünderung: Was ist dran?
Im Interview mit dem SPIEGEL räumt der Finanzmathematiker Werner Siepe mit dem weit verbreiteten Vorwurf auf, dass die heutigen Rentner die Kasse plündern und für die Jungen nichts übrig bleibt. „Die gesetzliche Rentenversicherung ist viel besser als ihr Ruf“, betont Siepe. Er widerlegt die Behauptung, dass die junge Generation benachteiligt wird und empfiehlt sogar, dass junge Leute freiwillig mehr in das System einzahlen sollten.
Jeder bekommt mehr raus als eingezahlt
Siepe erklärt, dass jeder Versicherte im Durchschnitt mehr aus der gesetzlichen Rente erhält, als er eingezahlt hat. Dies liege an der Umlagefinanzierung und den dynamischen Anpassungen. „Jeder bekommt aus der gesetzlichen Rente mehr raus, als er eingezahlt hat“, stellt der Mathematiker klar. Diese Aussage widerspricht dem gängigen Narrativ, dass die Rente ein Minusgeschäft sei.
Warum junge Leute freiwillig mehr einzahlen sollten
Der Experte rät jungen Menschen, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu leisten, um von den Vorteilen des Umlageverfahrens zu profitieren. „Gerade junge Leute sollten sogar freiwillig mehr ins System einzahlen“, so Siepe. Er argumentiert, dass die Rendite der gesetzlichen Rente oft höher sei als bei privaten Vorsorgeprodukten.
Die Wahrheit über die Rentenkasse
Siepe entkräftet den Vorwurf, dass die heutigen Rentner die Kasse plündern. Er weist darauf hin, dass die Beiträge der aktuellen Arbeitnehmer direkt an die Rentner ausgezahlt werden und dass das System auf Generationenvertrag basiert. „Die Rentner von heute haben selbst eingezahlt und ihre Beiträge haben die vorherige Generation finanziert“, erklärt er. Das System sei fair und nachhaltig, solange die Geburtenrate und die Zuwanderung stabil bleiben.
Faktencheck: Rendite der gesetzlichen Rente
Der Finanzmathematiker rechnet vor, dass die interne Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung für einen Durchschnittsverdiener bei etwa 3 bis 4 Prozent liegt. Dies sei vergleichbar mit vielen privaten Anlageformen, aber mit dem Vorteil der Sicherheit und der lebenslangen Zahlung. „Die gesetzliche Rente ist eine sichere und renditestarke Anlage“, so Siepe.
Kritik an privater Vorsorge
Siepe übt auch Kritik an der privaten Altersvorsorge, insbesondere an Riester-Renten und Lebensversicherungen. „Viele private Produkte haben hohe Kosten und niedrige Renditen“, warnt er. Im Vergleich dazu sei die gesetzliche Rente oft die bessere Wahl. Er empfiehlt eine Mischung aus gesetzlicher und betrieblicher Altersvorsorge.
Zukunft der Rente: Reformvorschläge
Um das System zukunftssicher zu machen, schlägt Siepe vor, die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben und die Erwerbsmigration zu fördern. „Mehr Beitragszahler und höhere Beiträge stabilisieren die Rente“, erklärt er. Auch eine längere Lebensarbeitszeit könne helfen, die Finanzierung zu sichern.
Fazit: Rente ist kein Raubzug
Das Interview zeigt, dass die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland besser ist als ihr Ruf. Siepe plädiert für mehr Vertrauen in das System und ruft junge Menschen dazu auf, sich frühzeitig zu informieren und freiwillige Beiträge zu leisten. „Die Rente ist kein Raubzug, sondern ein fairer Generationenvertrag“, resümiert der Mathematiker.



