Der 14-jährige Daniel Erb aus einem Taunusörtchen nahe Frankfurt ist wohl der jüngste Teilnehmer der Hauptversammlung der Deutschen Bank. In weißem Hemd trat er ans Rednerpult und stellte konkrete Fragen zur strategischen Positionierung der Bank. „Die Deutsche Bank könnte sich noch konsequenter als europäisches Drehkreuz positionieren, etwa indem sie europäischen Mittelständlern und asiatischen Investoren maßgeschneiderte Plattformen für Infrastruktur- und Energiewendeprojekte anbietet“, sagte der Teenager. Versammlungsleiter Norbert Winkeljohann dankte ihm für die „interessante Analyse“ und teilte mit, dass Vorstandschef Christian Sewing Interesse an einem Gespräch habe. Tatsächlich kam Sewings Vize Fabrizio Campelli auf Erb zu und tauschte Kontaktdaten aus.
Erste Aktie mit 12 Jahren – 120 Prozent Gewinn
Bereits mit zwölf Jahren kaufte Erb seine erste Aktie, inspiriert durch einen Hype um ein neues Videospiel auf dem Schulhof. „Ich habe mich gefragt, wie ich von diesem Hype profitieren kann“, sagte er. Nach Recherchen investierte er ein Drittel seiner Ersparnisse in die Aktie des Spieleherstellers und verkaufte sie 14 Monate später mit 120 Prozent Gewinn. Sein Depot umfasst heute Aktien von JD.com, Alibaba, der Deutschen Rohstoff AG und Paypal.
Auftritte bei Commerzbank und Deutscher Bank
In diesem Jahr sprach Erb erstmals auf Hauptversammlungen. Bei der Commerzbank vertrat er die Aktien seines Vaters und fragte Vorstandschefin Bettina Orlopp, ob kleinere Übernahmen die Bank zu groß für eine Übernahme durch Unicredit machen könnten. „Ich will als Aktionär konstruktive Vorschläge machen, wie ein Unternehmen seine Rendite steigern kann“, sagte er. Sein Engagement zahlte sich aus: Im Sommer wird er einen Vorstand der Deutschen Bank treffen, auch mit einer hochrangigen Person der Commerzbank ist er verabredet.
Motivation: Kapitalvermehrung, nicht Altersvorsorge
„Mir geht es um Kapitalvermehrung. Ich will aus dem Geld, das ich habe, mehr machen“, beschreibt Erb seine Motivation. Sein Vater, ein Anlagebauingenieur, verwaltet selbst ein aktives Aktiendepot und weckte das Interesse seines Sohnes. „Dieses starke Interesse an Aktien hat mein Enkel von ihm“, sagt die 95-jährige Großmutter, die regelmäßig Aktientipps von Erb erhält. Erb selbst kann sich vorstellen, später in der Finanzbranche zu arbeiten – „vielleicht als Investmentbanker oder für einen Hedgefonds“.



