Volkswagen baut 50.000 Stellen ab: Gewinneinbruch und US-Zölle belasten Konzern schwer
VW streicht 50.000 Stellen nach Gewinneinbruch und US-Zöllen

Massiver Stellenabbau bei Volkswagen: Konzern reagiert auf dramatischen Gewinneinbruch

Bei Deutschlands größtem Automobilhersteller Volkswagen stehen tiefgreifende Veränderungen an. Der Konzern hat nun offiziell bestätigt, dass er bis zum Jahr 2030 insgesamt 50.000 Arbeitsplätze abbauen wird. Diese drastische Maßnahme betrifft auch mehrere Standorte im Freistaat Bayern und kommt als Reaktion auf einen dramatischen Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2025.

Gewinn halbiert sich: Zahlen belegen die Krise

Die aktuellen Geschäftszahlen, die Volkswagen im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz veröffentlichte, offenbaren das volle Ausmaß der Schwierigkeiten. Der Konzerngewinn nach Steuern brach im Vergleich zum Vorjahr um satte 44 Prozent ein – von 12,4 Milliarden Euro auf nur noch 6,9 Milliarden Euro. Der Umsatz verringerte sich leicht um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro. Besonders alarmierend war das dritte Quartal 2025, in dem Volkswagen mehr als eine Milliarde Euro Verlust verbuchte.

Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte dazu: „Das Jahr 2025 war geprägt von geopolitischen Spannungen, Zöllen und hoher Wettbewerbsintensität.“ Zwei Hauptfaktoren belasteten die Bilanz besonders schwer: Der Strategiewechsel bei der Tochter Porsche, der die Konzernmutter mit fast fünf Milliarden Euro belastete, und die US-Zölle, die mit rund drei Milliarden Euro zu Buche schlugen.

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Verkaufsrückgänge in wichtigen Märkten

Die Absatzzahlen spiegeln die Herausforderungen wider. Weltweit lieferte der Volkswagen-Konzern 2025 insgesamt 8,98 Millionen Fahrzeuge aller Marken aus – das sind 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Während in Europa leichte Zuwächse verzeichnet wurden, konnten diese die deutlichen Rückgänge in den Schlüsselmärkten China und Nordamerika nicht ausgleichen.

Die einstige Ertragsperle Porsche erwirtschaftete im Autogeschäft operativ nur noch 90 Millionen Euro, nachdem es 2024 noch 5,3 Milliarden Euro gewesen waren. Die Kernmarke Volkswagen verbesserte sich leicht von 2,59 auf 2,61 Milliarden Euro, während sich Audi von 3,9 auf knapp 3,4 Milliarden Euro verschlechterte.

Bayern besonders betroffen: Audi und Cariad streichen Stellen

Der geplante Stellenabbau wird auch in Bayern deutliche Spuren hinterlassen. Bei der in Ingolstadt ansässigen Tochter Audi sieht eine Zukunftsvereinbarung einen sozialverträglichen Abbau von 6.000 Stellen bis 2027 und weiteren 1.500 Stellen bis 2029 vor. Wie viele Arbeitsplätze konkret am Standort Ingolstadt betroffen sein werden, steht noch nicht fest – dies hängt davon ab, wie viele Mitarbeiter Vorruhestandsangebote annehmen.

Das Software-Unternehmen Cariad, das Standorte in München, Ingolstadt und Nürnberg unterhält, hat bereits bis Ende 2025 rund 1.600 Arbeitsplätze abgebaut, was etwa 30 Prozent der gesamten Belegschaft entspricht. In Bayern war davon insbesondere der Standort Ingolstadt betroffen. Weitere Stellenstreichungen sind bei Cariad derzeit nicht geplant.

Sozialverträglicher Abbau und Kostensenkungsprogramm

Volkswagen hat sich mit der IG Metall auf einen sozialverträglichen Stellenabbau geeinigt, der Vorruhestandsregelungen vorsieht und auf Werkschließungen sowie betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume kündigte an: „Wir werden jeden Stein umdrehen.“ Neben dem Personal sollen auch in den Bereichen Beschaffung, Entwicklung, Material, Produktion und Vertrieb weitere Kostensenkungen realisiert werden.

Finanzvorstand Antlitz bestätigte, dass die 2024 aufgelegten Effizienzprogramme bereits zu Kosteneinsparungen von 1,5 Milliarden Euro geführt hätten. Angesichts neuer Belastungen wie den US-Zöllen reiche dies jedoch nicht aus. Der Konzern hat daher seine Ambitionen für 2030 zurückgeschraubt: Statt einer Gewinnmarge von neun bis elf Prozent werden nun nur noch acht bis zehn Prozent angestrebt.

Ausblick und persönliche Konsequenzen

Für das laufende Jahr 2026 strebt Volkswagen eine operative Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 4,0 bis 5,5 Prozent an – nachdem sie 2025 auf nur 2,8 Prozent abgerutscht war. Beim Umsatz peilt der Konzern ein Wachstum von null bis drei Prozent an.

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Die schwierige Geschäftslage spiegelt sich auch in der Vergütung des Konzernchefs wider: Oliver Blume erhielt im vergangenen Jahr einschließlich Altersvorsorge und variabler Vergütung 7,4 Millionen Euro – fast drei Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Grund waren vor allem eine Bonuskürzung bei Volkswagen und der komplette Ausfall der variablen Vergütung bei Porsche, wo Blume bis Ende 2025 ebenfalls Vorstandschef war.