Tesla mit FSD-Zulassung: Dieser Tesla fährt ganz von allein
In den Niederlanden hat Tesla eine bedeutende Premiere für das automatisierte Fahren in Europa erreicht. Teslas mit dem neuesten Full Self Driving System dürfen dort erstmals hochautomatisiert Ziele ansteuern – eine Person sitzt zwar am Steuer, muss aber nicht selbst fahren. AUTO BILD-Ressortleiter Matthias Brügge hat das System in einem exklusiven Test über 120 Kilometer geprüft und dabei die Hände fast nie am Lenkrad gehabt.
Erster europäischer Straßentest unter realen Bedingungen
Der Test fand in Amsterdam mit einem serienmäßigen Tesla Model Y statt, das mit dem Softwarepaket für Full Self Driving (supervised) ausgestattet ist. Dieses Paket ermöglicht hochautomatisiertes, überwachtes Fahren und kostet in den Niederlanden entweder 7500 Euro einmalig oder 99 Euro monatlich. Die Zulassung für Deutschland wird derzeit geplant, bleibt aber vorerst ausstehend.
Vor der Fahrt musste Brügge ein sechsminütiges Pflichtvideo ansehen, wie das Auto es vorschreibt. Anschließend konnte er das FSD-System per Display aktivieren. Das Fahrzeug fuhr dann vollständig autonom vom Parkplatz auf die Straße, beschleunigte auf das erlaubte Tempo von 50 km/h und steuerte, bremste sowie lenkte komplett selbstständig.
Wie das System die Aufmerksamkeit des Fahrers überwacht
Das Auto verfügt über ein ausgeklügeltes Überwachungssystem, das die Aufmerksamkeit der Person am Steuer kontinuierlich prüft. Bei Ablenkung erscheint ein blauer Balken im Display als Warnung. Bei wiederholten Verstößen signalisiert das System mit auffälligen roten Farben, dass der Fahrer sofort übernehmen muss, da sich der Assistent sonst abschaltet.
„Ich kann ihn nicht austricksen, wenn die Hände nach dem Handy greifen“, berichtet Brügge. „Die Kamera bekommt es mit, und das Auto ruft mich zur Ordnung.“ Hände hinter den Kopf legen ist nicht erlaubt, aber auf die Knie legen oder falten wird akzeptiert. Am Ende jeder Fahrt bewertet das System die Aufmerksamkeit des Fahrers und teilt sie in Kategorien wie hohe Aufmerksamkeit oder Durchschnitt ein.
Praktische Erfahrungen während der vierstündigen Fahrt
Nach anfänglicher Skepsis gewann Brügge schnell Vertrauen in das System. Der Tesla wich Fahrradfahrern aus, beachtete die Rechts-vor-links-Regel und wechselte sicher auf die Autobahn, wo er mit Tempo 100 fuhr. Insgesamt verlief die vierstündige Fahrt reibungslos und ohne größere Zwischenfälle.
Allerdings gab es auch kleinere Unzulänglichkeiten: Der Wagen verpasste einmal eine Abbiegespur und machte einen Umweg von 500 Metern, anstatt zu wenden. An einer Ampel blieb er trotz Grünphase kurz stehen, und an einem komplexen Übergang zwischen Straße, Fußgängerweg und Fahrradweg konnte das System die Strecke nicht eindeutig erkennen. In solchen Situationen musste der Fahrer kurz eingreifen.
Fazit: Ein großer Schritt in Richtung autonomes Fahren
Matthias Brügge zieht ein positives Resümee: „Das überwachte FSD von Tesla ist ein Riesensprung auf dem Weg zum autonomen Fahren. Zu keiner Zeit habe ich mich unsicher gefühlt. Ich bin schwer beeindruckt.“ Das System zeigt, dass hochautomatisiertes Fahren im europäischen Straßenverkehr bereits heute möglich ist, auch wenn noch Verbesserungspotenzial bei komplexen Verkehrssituationen besteht.
Die Niederlande bleiben vorerst das einzige europäische Land mit einer solchen Zulassung für Teslas Full Self Driving System. Die Entwicklung wird jedoch mit Spannung verfolgt, da sie die Zukunft der Mobilität maßgeblich beeinflussen könnte.



